Sie gilt gemeinhin als die „Grande Dame“ des bayerischen Kabaretts und ist als Schauspielerin auch bundesweit bekannt. Die Rolle ihres Lebens aber spielte Luise Kinseher jahrelang als „Mama Bavaria“ beim Politiker-Derblecken auf dem Münchner Nockherberg, wo sie den Prominenten die Leviten las.
Manchem Politiker ist da schon mal die Brotzeit im Halse steckengeblieben. Dabei wirkt die 56-Jährige im richtigen Leben unkompliziert und nahbar. Die Niederbayerin, die einst zum Studieren von Geiselhöring nach München zog, räumt aber auch bei aller Weltoffenheit einen speziellen Charakterzug ein: „Eines habe ich mir immer bewahrt: den niederbayerischen Dickschädel und den Eigensinn.“ Im Bayerischen Fernsehen haben sie Kinseher mit folgendem Satz eingeordnet: „Sie gehört zu bayerischen Kabarettbühnen wie der Schaum aufs Bier.“
Kinseher wird dem Landesvater die erste Mass überreichen
Apropos Bier. Die „Mama Bavaria“ kehrt in diesem Jahr zurück auf den Nockherberg. Zwar nicht mehr in ihrer einstigen Paraderolle der Fastenpredigerin, sondern nach dem Rückzug des Paulaner-Chefs Andreas Steinfatt als eine Art Gastgeberin für die veranstaltende Brauerei. Kinseher soll „Hallo sagen,“ wie es seitens Paulaner heißt, also die Gäste begrüßen und dem Landesvater eine Mass Starkbier in die Hand drücken — ohne schafzüngige Pointe.
Dabei, so sagt die Kabarettistin und Schauspielerin, liege ihr das Derblecken im Blut. „Das ist etwas urtümlich Bayerisches — ein Spötteln, ein Aufziagn“ – ganz so, wie sie es vom Stammtisch daheim in Niederbayern kenne. Da seien schließlich auch die „Großkopferten aufzogn worden“.
Ihr weiterer Weg nach dem Verlassen der Provinz zeichnete sich in München, wo sie auch heute noch lebt, schnell ab: Hier studierte Kinseher Germanistik, Theaterwissenschaften und Geschichte. Ihre Magisterarbeit schrieb sie übrigens über einen späteren Kollegen, den niederbayerischen Kabarettisten Sigi Zimmerschied.
Entdeckt wurde sie von Franz Xaver Bogner
Sie selbst suchte auch den Weg ins Rampenlicht. Auf der Iberl-Bühne in München-Solln sammelte Kinseher in mehr als 800 Vorstellungen Erfahrung. Die bayerische Regisseur-Legende Franz Xaver Bogner entdeckte sie dort und gab ihr Schlüsselrollen in seinen Fernsehserien „Café Meineid“ und „München 7“.
Beim Singspiel spielte Kinseher, die privat mit ihrem Partner sozusagen in wilder Ehe lebt, auf dem Nockherberg seit schon 2010 mit. Ein Jahr später bekam sie dann die Rolle der „Mama Bavaria“ und hielt als erste Frau die Salvatorrede. Ihre eigentliche Berufung aber, sagt Luise Kinseher, liege in ihren Soloprogrammen. Auch die sind so gut, dass sie dafür zahlreiche Kleinkunst- und Kabarettpreise einheimste.
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