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Fußball: Tuchel verblüfft: Müller wieder draußen, Leverkusen souverän

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Tuchel verblüfft: Müller wieder draußen, Leverkusen souverän

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    Münchens Trainer Thomas Tuchel versucht, den Rasen zu reparieren.
    Münchens Trainer Thomas Tuchel versucht, den Rasen zu reparieren. Foto: Rolf Vennenbernd, dpa

    Nach der erfüllten Bundesliga-Pflicht konnten die Bayern-Stars um Bankdrücker Thomas Müller bei der Einstimmung auf die Königsklassen-Kür nicht nochmal jubeln. Nach dem Sieg der Münchner am Freitagabend 1:0 (1:0) beim 1. FC Köln übernahm Bayer Leverkusen durch das 3:0 bei Werder Bremen wieder die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga. An der Seite von Bruder Simon sendete Müller via Instagram anerkennende Worte an den Rhein, aber versicherte mit dem Daumen nach oben gereckt auch: Der FC Bayern ist weiter "on fire".

    Zu seiner eigenen Rolle beim deutschen Fußball-Rekordmeister positionierte sich Müller im Post nicht. Gefallen dürfte die Situation ihm aber nicht. Wieder einmal durfte die Galionsfigur nicht ran. Diesmal sogar das ganze Spiel lang nicht. Immer wieder blickte der 34-Jährige beim Warmmachen in Richtung Seitenlinie zu Trainer Thomas Tuchel. Doch der reagierte nicht. Erstmals in dieser Saison verzichtete ein Bundesliga-Trainer gänzlich auf einen Wechsel. Beim FC Bayern hatte es das schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gegeben. Fast genau 13 Jahre nicht mehr. Louis van Gaal war im Dezember 2010 der bislang letzte Bayern-Coach, der in der Liga nicht ausgewechselt hatte.

    "Das war ein eindeutig keine Bestrafung oder ein Denkzettel", sagte Tuchel nach dem Erfolg, der aus Bayern-Sicht souveräner war, als es das Ergebnis aussagte. Er entschuldigte sich sogar bei seinen Auswechselspielern. "Normalerweise kommt das nicht vor. Die sollen alle den Spirit beibehalten, den sie heute gezeigt haben, und es mir nicht übel nehmen."

    Tuchels Erklärung war durchaus plausibel. "Ich wollte den Rhythmus nicht stören", sagte der 50-Jährige. "Die Spielkontrolle war so hoch und das Ergebnis so knapp." Sein Team dominierte den erschreckend harmlosen FC nach Belieben, versäumte es jedoch, noch vor der Pause nach Harry Kanes sagenhaftem 18. Saisontreffer (20. Minute) im zwölften Spiel nachzulegen. So blieb das Ergebnis knapp. Jedoch bestimmte die Elf auf dem Platz Ball und Gegner. Tuchel sah keine Veranlassung, diese Souveränität zu gefährden: "Ich habe es einfach nicht gefühlt heute."

    Kurios war es dennoch. Denn für den quantitativ nicht gerade üppig besetzen Bayern-Kader stehen bis Weihnachten fast nur noch Englische Wochen an. Am Mittwoch geht es in der Champions League weiter, wo die Münchner schon als Gruppensieger feststehen. "Da müssen wir mit guter Kraft antreten, denn Kopenhagen hat eine gute Mannschaft", merkte Torhüter Manuel Neuer an. Er hatte durchaus Verständnis für Tuchels Erklärungen.

    Dennoch: Der Bayern-Coach selbst hatte erst vor dem Spiel die (zu) hohe Belastung für die Top-Stars der Branche kritisiert. Der 50-Jährige legte nach dem Spiel noch einmal nach. Gerade für das Jahr 2024 erwartet Tuchel eine "mentale Belastung, die an der Grenze ist" und verwies auf die Heim-EM im Sommer und die Reform der Champions League, die für "zwei bis vier" zusätzliche Spiele sorge. "Das kann sehr erschöpfend sein", sagte er und verband dies mit einer klaren Forderung an die Bayern-Bosse: "Da müssen wir in der Kader-Zusammenstellung drauf reagieren."

    Schon vor dem Spiel hatte Tuchel die Ansetzung des Klassikers in Köln an einem Freitag nach einer Länderspielwoche kritisiert. Einige seiner vielen Nationalspieler waren erst am Donnerstag wieder in München angekommen. "Die Bedingungen waren extrem schwierig. Wir waren platt nach der Länderspielpause und dann noch das Freitagsspiel", sagte etwa auch Nationalspieler Leon Goretzka.

    Für Spieler wie Minjae Kim waren die Reise-Strapazen besonders belastend. "Ich weiß jetzt nicht, wie der Zeitunterschied zu Korea ist. Abends dann hier in Köln 90 Minuten durchzuspielen, das ist schon eine große Leistung", sagte Neuer. "Es ist jetzt wichtig für den ein oder anderen, dass er mal frei hat."

    (Von Carsten Lappe, Holger Schmidt und Christian Kunz, dpa)

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