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Bildungsbericht: Wie steht es um die Chancengleichheit an Schulen?

Schule

Neuer Bildungsbericht: Immer mehr Kinder werden spät eingeschult

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    Der Bildungsbericht ist eine wichtige Arbeitsgrundlage für die Schulpolitik.
    Der Bildungsbericht ist eine wichtige Arbeitsgrundlage für die Schulpolitik. Foto: Sebastian Gollnow, dpa

    Eine gute Statistik bildet ab, was ist. Und der Bayerische Bildungsbericht ist eine der wichtigsten Statistiken in den Datenbanken des Freistaats. Und doch zeigt die jüngste Sitzung des Bildungsausschusses im Landtag, wie parteipolitisch unterschiedlich man objektive Zahlen interpretieren kann.

    Erstmals seit dem Jahr 2021 hat das Institut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) das bayerische Bildungssystem vermessen – von der frühkindlichen Bildung bis hin zum Schulabschluss, nach dem die Schülerinnen und Schüler im besten Fall in eine Ausbildung oder in ein Studium starten. Außer sie gehören zu den zuletzt gut fünf Prozent der Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verlassen.

    Im Bildungsausschuss haben Vertreterinnnen und Vertreter des Kultusministeriums und des ISB nun den Bildungsbericht 2024 vorgestellt, der sich vor allem aus Daten des Schuljahrs 2022/2023 speist. Darin zeigt sich zunächst, dass eine Neuerung bei der Einschulung von den Familien „sehr gut angenommen wird“, wie es vom ISB hieß: der sogenannte Einschulungskorridor. Eltern von Kindern, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September eines Jahres sechs Jahre alt werden, können heutzutage selbst entscheiden, ob ihr Kind eingeschult wird oder lieber noch ein Jahr länger in den Kindergarten geht. Mittlerweile 13 Prozent dieser Korridorkinder starten später in die Schule. Insgesamt ist mehr als jedes fünfte Kind bei seiner Einschulung sieben Jahre alt. Das liegt auch an den sogenannten Zurückstellungen, etwa wegen Entwicklungsverzögerungen oder sprachlicher Probleme. Kinder mit Migrationshintergrund werden deutlich häufiger zurückgestellt als Kinder ohne Einwanderungsgeschichte.

    Kinder auf dem Land wechseln seltener ans Gymnasium

    Der nächste zentrale Übergang in der Schulkarriere eines Kindes ist der Übertritt von der Grund- auf die weiterführende Schule. Diese Zahlen sind seit Jahren konstant. Zuletzt gingen gut 41 Prozent der Kinder nach der Grundschule aufs Gymnasium, knapp 29 auf die Realschule und 28 Prozent auf die Mittelschule. Auffällig hierbei: Schülerinnen und Schüler mit Migrationsgeschichte wechseln deutlich seltener ans Gymnasium (32 Prozent), Kinder auf dem Land seltener als Kinder in der Stadt.

    Soweit also die objektive Statistik. Wie subjektiv sie sich bewerten lässt, zeigte die anschließende Debatte im Bildungsausschuss. Etwa die Tatsache, dass bei weitem nicht alle Kinder und Jugendlichen der Schulart treu bleiben, für die sie sich in der fünften Klasse entschieden haben. In der Jahrgangsstufe acht sind „nur“ noch 32 Prozent eines Jahrgangs auf dem Gymnasium. 30 Prozent besuchen die Realschule und wiederum 30 die Mittelschule, die restlichen verteilen sich auf Wirtschaftsschulen, Förderschulen und Freie Waldorfzentren. Die CSU und auch die Vertreterin des Kultusministeriums sehen das als „positiven Befund“ für die viel gepriesene „Durchlässigkeit“ des dreigliedrigen Schulsystems.

    Grüne und SPD wollen längere gemeinsame Grundschulzeit

    Grüne und SPD bewerten die Sache ganz anders - nämlich als Beweis, dass Kinder länger zusammen lernen sollten, bevor sie sich für eine weiterführende Schulart entscheiden. Die Statistik zeige, dass offensichtlich „in der vierten Klasse noch nicht klar ist, wo die Stärken und Schwächen eines Kindes liegen“, erklärte Simone Strohmayr von der SPD. „Wir sollten uns wertungsfrei dem Gedanken nähern, dass eine längere Grundschulzeit ein Lösungsweg sein könnte, um Kinder auf die Schulart zu bringen, die zu ihnen passt.“

    Der Grüne Benjamin Adjej nahm sich selbst als Beispiel her. „Ich habe das Gymnasium besucht, musste dann auf die Mittelschule wechseln.“ Von dort aus habe er sich bis zur Fachoberschule hochgearbeitet, schließlich studiert und mit der Note 1,0 seinen Masterabschluss gemacht. Psychisch sei das „extrem hart“ gewesen. Mit Blick auf das Wohlbefinden der Schüler sei es „sicher nicht die beste Ausgestaltung von Schule, wenn Kinder sich an das System anpassen müssen statt andersherum“. Ganz anders sah es Kristan von Waldenfels (CSU): Er nannte Adjejs Geschichte ein „Positivbeispiel“ für das Funktionieren des bayerischen Schulsystems.

    Gabriele Triebel von den Grünen sah den Bildungsbericht als Beweis, dass „bei der Chancengerechtigkeit im bayerischen Schulsystem ein ganz, ganz großer Nachholbedarf besteht“ und dass „beste Bildung unabhängig von Herkunft und Geldbeutel der Eltern sein muss“. Die Ausschussvorsitzende Ute Eiling-Hütig entgegnete in einem pathetischen Schlusswort: „Wir wollen Kindern den Weg dazu ebnen, dass ihr Schulweg möglichst glatt verläuft. Für mich ist es kein Verlust, wenn ein Kind kein Abitur macht.“ Wichtig sei, „womit das Kind glücklich wird“. Immerhin auf diesen gemeinsamen Nenner dürften sich am Ende alle einigen können.

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    1 Kommentar
    Peter Zimmermann

    Als ich eingeschult wurde war ich auch schon fast 7, was allerdings damals an meinem Geburtstag im Dezember lag, vorher ging das damals nicht.

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