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Bayerns Schulen kämpfen gegen akuten Lehrermangel

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Lehrkräftemangel droht in Bayerns Schulen zum Dauerproblem zu werden

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    An Bayerns Schulen gibt es deutlich mehr offene Lehrerstellen als qualifizierte Bewerber. Diese Lücke dürfte sich in den nächsten Jahren sogar vergrößern.
    An Bayerns Schulen gibt es deutlich mehr offene Lehrerstellen als qualifizierte Bewerber. Diese Lücke dürfte sich in den nächsten Jahren sogar vergrößern. Foto: David Ebener, dpa

    In Bayern beginnen die Sommerferien. Doch im Münchner Kultusministerium laufen die Personal-Planungen für das neue Schuljahr auf Hochtouren. Wird im September in jedem Klassenzimmer in Bayern eine qualifizierte Lehrkraft stehen? Die Sicherstellung des Pflichtunterrichts habe hier oberste Priorität, antwortet das Ministerium: „Hierfür werden wir trotz der herausfordernden Personalsituation auch im nächsten Schuljahr genügend Lehrkräfte haben.“

    Ministerin Stolz: Lehrkräftemangel große Herausforderung der nächsten Jahre

    Der Umkehrschluss heißt dann wohl: Für Wahlmöglichkeiten, Vertiefungsangebote oder freiwillige Zusatzkurse von der Theatergruppe bis zur Video-AG könnte es aus Lehrkräftemangel an vielen Schulen eng werden. Denn über alle Schularten hinweg liegt nach der internen Prognose des Ministeriums zum Schuljahr 2024/2025 die Anzahl der offenen Planstellen um rund 1400 über der zu erwartenden Zahl an qualifizierten Bewerbern. Eine Lücke, die sich in den Folgejahren sogar noch vergrößern wird: „Die Unterrichtsversorgung an unseren Schulen wird eine der wesentlichen Herausforderungen der nächsten Jahre sein“, räumt Schulministerin Anna Stolz (Freie Wähler) offen ein.

    Zu wenige Lehramts-Absolventen treffen dabei auf einen beständig ansteigenden Bedarf an zusätzlichen Lehrkräften. So hat der Freistaat zwischen 2019 und 2022 in allen Schularten bereits 4.630 zusätzliche Lehrerplanstellen geschaffen – bis 2028 sollen noch einmal rund 6.000 weitere Stellen dazu kommen. „Die Herausforderung bleibt, die vorhandenen Stellen auch mit dem hierfür geeigneten Personal zu besetzen“, erklärt man im Kultusministerium.

    Allerdings ist die Situation nicht in allen Schularten gleich: An den Grundschulen könnte sich der Personalmangel spätestens ab 2025 merklich entspannen – weil der Freistaat Ende 2020 die Zahl der Grundschul-Studienplätze deutlich ausgebaut und den Numerus clausus weitgehend abgeschafft hat.

    Dagegen dürfte an Mittelschulen und Realschulen langfristig Personal fehlen. Die Lücken sollen mit Quereinsteigern, Aushilfskräften oder freiwilliger Teilzeitaufstockung geschlossen werden. Doch auch Streichungen beim Wahlangebot drohen.

    Ein besonderes Problem kommt auf die Gymnasien zu: Mit dem ersten G9-Abiturjahrgang gibt es dort ab 2025 erstmals wieder neun Klassenstufen. Überraschend kommt diese Ausweitung nicht. Trotzdem habe es längst nicht genug vorsorgliche Einstellungen zusätzlicher Lehrkräfte gegeben, klagt Michael Schwägerl vom Bayerischen Philologenverband.

    Wegen erstem G9-Abitur: An Gymnasien droht 2025 massive Lehrkräfte-Lücke

    Die Deckungslücke an den Gymnasien könnte im Herbst 2025 bis zu 1.500 Stellen betragen, warnt Schwägerl – und sich in den Folgejahren fortsetzen. Vor allem in Fächern wie Physik, Informatik, Kunst oder Musik könnte es sehr eng werden mit der Unterrichtsversorgung. Ohne ein reduziertes Fächerwahl-Angebot und größere Klassen werde es dann wohl nicht mehr gehen, befürchtet er. Auch eine freiwillige Reduzierung der Teilzeit von Lehrkräften und mehr Quereinsteiger könnten eine Lösung sein.

    An den Grund- und Mittelschulen sieht man beim Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband vor allem den Freistaat in der Pflicht: Schon jetzt arbeite die Lehrerschaft dort „auf der letzten Rille“, warnt Verbandschefin Simone Fleischmann. „Es muss schnell eine personelle Entlastung für unsere Kernmannschaft her, sonst wird es in den nächsten Jahren richtig eng“, fordert sie.

    Schulministerin Stolz will beim Kampf gegen die Lehrkräfte-Lücke vor allem auf konstruktiven Dialog mit den Schul-Verbänden setzen. Zwangsmaßnahmen wie etwa eine verordnete Einschränkung der Teilzeit von Lehrkräften soll es nicht geben - obwohl das etwa in manchen Schulämtern, die für die Verteilung der Lehrkräfte zuständig sind, durchaus vehement gefordert wird.

    Schließlich müsse der Lehrerberuf attraktiv bleiben, um möglichst viele junge Menschen für einen Berufseinstieg zu gewinnen, findet die Ministerin: „Wir bauen deshalb Bürokratie ab, reduzieren Belastungen und öffnen Wege für mehr Flexibilität im Studium und an den Schulen.“

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