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Oberpfalz: Klimaarchiv: Jüngster Vulkan in Bayern Fundgrube für Forscher

Oberpfalz

Klimaarchiv: Jüngster Vulkan in Bayern Fundgrube für Forscher

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    Ein mit Gestein und Erdschichten gefüllter und halbierter Bohrkern aus einem Vulkankrater in Neualbenreuth in der nördlichen Oberpfalz (Bayern) ist im Landesamt für Umwelt zu sehen.
    Ein mit Gestein und Erdschichten gefüllter und halbierter Bohrkern aus einem Vulkankrater in Neualbenreuth in der nördlichen Oberpfalz (Bayern) ist im Landesamt für Umwelt zu sehen. Foto: Johann Rohrmüller/LfU/dpa

    Was die Geologen im Frühjahr in einem Nadelwald in der nördlichen Oberpfalz entdeckten, war eine Sensation. In dem sumpfigen Gebiet bei Neualbenreuth (Landkreis Tirschenreuth) hatte sich vor etwa 200 000 Jahren der letzte Vulkanausbruch im Freistaat ereignet, weitaus später als bisher angenommen. Dabei deutet auf den ersten Blick nichts auf einen Vulkan hin, der typische Trichter ist gefüllt mit Gestein, Erdschichten und Pflanzen. Was für den neutralen Betrachter wenig spektakulär ist, stellt für die Geologen ein Glücktreffer dar.

    Die aktivsten Vulkane der Welt

    Der Kilauea auf Hawaii ist der aktivste Vulkan der Erde. Er stößt mit Abstand das meiste Magma aus. Zu explosiven Ausbrüchen kommt es aber in der Regel nicht.

    Der Popocatepetl in Mexiko stößt seit 1994 immer wieder Asche und bisweilen auch Lava aus. Zuvor hatte er eine rund 50-jährige Ruheperiode.

    Der Ätna auf der Insel Sizilien gilt als einer der aktivsten Vulkan Europas.

    Der Stromboli auf der gleichnamigen italienischen Insel ist der aktivste Europas.

    Der Vesuv mit seinen derzeit 1281 Metern Höhe ist der einzige aktive Vulkan auf dem europäischen Festland, jedoch seit 1944 in einer Ruhephase. Er liegt am Golf von Neapel. Im Jahr 79 n. Chr. verschüttete ein Ausbruch des Vesuvs die Stadt Pompeji.

    Der Mount St. Helens im Grenzgebiet zwischen USA und Kanada gilt als sehr aggressiv und unberechenbar. Spektakulär war sein großer Ausbruch 1980. Im Herbst 2004 brach er wieder aus - ebenso überraschend wie beim Mal davor.

    Schwierig auszusprechen, dennoch in aller Munde: Der Vulkan Eyjafjallajökull auf Island spuckte im März 2010 kilometerhohe Aschewolken in die Luft und löste damit ein Chaos im weltweiten Flugverkehr aus.

    Der Mount Sinabung auf Sumatra brach im Sommer 2010 eher überraschend aus. Die Eruption des Vulkans, der zuvor 400 Jahre schlief, war rund acht Kilometer weit zu spüren.

    Der Mayon auf den Philippinen liegt rund 330 Kilometer östlich der Hauptstadt Manila. Er brach in den letzten Jahrhunderten immer wieder aus. Besonders folgenschwer war eine Eruption 1993. Dabei starben 79 Menschen.

    Der Nyiragongo mit seinen knapp 3500 Metern Höhe gilt als einer der gefährlichsten Vulkane Afrikas. Er steht im Grenzgebiet zwischen Demokratischer Republik Kongo und Ruanda.

    Der Kelud auf der indonesischen Insel Java brach zuletzt 2014 aus. Mehrere Menschen starben. Bei einem Ausbruch 1990 kamen 30 Menschen um, 1919 kamen mehr als 5000 Menschen um.

    "Mithilfe der Füllung des Maartrichters können wir erstmals ein hochauflösendes Klimaarchiv für Mitteleuropa erkunden", sagt der Leiter des Geologischen Dienstes am Landesamt für Umwelt (LfU), Roland Eichhorn. Bei den bisherigen Löchern und Seen seien durch Gletscher große Teile der Füllung weggeräumt worden. "Dieses Gebiet war aber immer frei von Gletschern. Daher konnte sich der Maarkrater in den letzten 200 000 Jahren mit Material füllen."

    Jüngster Vulkan spiegelt jahreszeitliche Schwankungen wider

    Eichhorn vergleicht den gefüllten Krater mit einer Herrentorte. "Bis in den Millimeterbereich haben wir einen Wechsel von dunklen und hellen Lagen, die die jahreszeitlichen Schwankungen widerspiegeln", erläutert Eichhorn.

    Die Experten waren dem Naturphänomen in dem Waldgebiet an der Grenze zu Tschechien mit Hilfe von Bohrungen auf die Spur kommen. Zuvor waren die Geologen bei routinemäßigen Untersuchungen in dem Waldgebiet auf eine kreisrunde Struktur mit einem Durchmesser von etwa 300 Metern gestoßen. "Etwa 1000 Grad heiße Lava traf auf kaltes Grundwasser, löste so eine heftige Explosion aus und sprengte den Boden weg", sagt Eichhorn. Er vergleicht das Phänomen mit einer Champagnerflasche, die heftig geschüttelt wird, bis der Korken unter dem Druck hinausgesprengt wird.

    Bis in 100 Meter Tiefe haben die Geologen in dem Krater jeweils einen Meter lange Bohrkerne entnommen. Diese wurden mit einer Präzisionssäge der Länge nach geteilt und fotografiert - eine Hälfte wird konserviert, die andere erforscht. "Im Geoforschungszentrum in Potsdam wird der Gesteinsmagnetismus, das Alter und der Chemismus der Sedimente untersucht. Im Senckenberginstitut in Weimar werden die gefundenen Pollen und Sporen untersucht", erklärt Eichhorn. Erste Ergebnisse werden im kommenden Jahr erwartet.

    Vulkan-Gebiet soll für Tourismus dienen

    Inzwischen wissen die Experten, dass das Gebiet zum Zeitpunkt der Eruption eine baumlose Kaltsteppe war. In den folgenden 80 000 Jahren hatte sich die Gegend aufgrund einer Warmzeit in einen dichten Laub-Mischwald verwandelt. Es folgte wieder eine Eiszeit, in der der Neandertaler vom heutigen Menschen verdrängt wurde - auch der Wald verschwand wieder. Die heutige Landschaft mit Nadelwald und Moor entstand erst in den letzten 10 000 Jahren.

    Das Gebiet soll in den kommenden Wochen touristisch erschlossen werden, ein Rad- und Wanderweg wird neu auszeichnet. "Zudem werden wir noch in diesem Jahr Schautafeln im Ort, am Eingang des Waldgebietes und an dem Vulkan aufstellen", erläutert der Bürgermeister von Neualbenreuth, Klaus Meyer (CSU). Im Frühjahr soll an dem Vulkan ein Rastplatz mit Bänken entstehen. Meyer erhofft sich einen Schub für den Fremdenverkehr. "Wir wollen, dass die Menschen vor Ort fundierte Informationen bekommen und denken, dass geologisch interessierte Menschen den Weg zu dem jüngsten Vulkanausbruch in Bayern finden." Von André Jahnke, dpa/lby

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