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Porträt: Beruf: Glücksbringer

Porträt

Beruf: Glücksbringer

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    Rainer Holmer überbringt Lotto-Gewinnern die frohe Botschaft.
    Rainer Holmer überbringt Lotto-Gewinnern die frohe Botschaft. Foto: Marcus Schlaf

    Hinter hohen Bäumen und langen Hecken liegt am Karolinenplatz 4 in München ein eher unscheinbares Gebäude. Dort sitzt Rainer Holmer am Schreibtisch. Jede Woche kommen Menschen zu ihm, in der Erwartung, mit einem kleinen Stück Thermopapier dem großen Lottogewinn ein Stück näher zu kommen. Der 41-Jährige arbeitet für „Lotto Bayern“: Er ist der Glücksbringer, den Gewinner aus dem Freistaat mit ihrem Lottoschein aufsuchen.

    Einen Gewinn in Höhe von 185 Millionen Euro, wie ihn die schottischen Glückspilze Chris und Colin Weir aus der Nähe von Glasgow kürzlich bekamen, hat Rainer Holmer bisher noch nicht verteilen können. Doch Menschen über einen Millionengewinn zu benachrichtigen, macht ihn zum Strahlemann. „Es ist unglaublich spannend zu beobachten, wie Menschen mit der Nachricht von ihrem Lottogewinn umgehen“, sagt Holmer.

    „Ob nun Luftsprünge in meinem Büro veranstaltet werden, Freudentränen fließen oder ewige Sprachlosigkeit herrscht – mein Beruf hält immer wieder Überraschungen bereit“. Langeweile käme da nie auf, sagt Holmer.

    Gespräch über die Zukunft mit dem neuen Reichtum

    So stellt sich jeder einen angenehmen Beruf vor: Der Niederbayer darf sprachlose Menschen beglückwünschen, mit Gewinnern plaudern und über Zukunftsvisionen philosophieren. Zu seinen Aufgaben gehört aber auch, das Gespräch über die Zukunft mit dem gewonnenen Geld zu führen.

    Doch es handle sich dabei um keine Vermögensberatung, sagt Holmer. Das sei im Lotterierecht so vorgesehen. Es ist Holmer jedoch ein großes Anliegen, den Gewinnern zu raten, die Distanz zum Materiellen zu bewahren.

    Einen Hinweis gibt Holmer allen Neu-Millionären mit auf den Weg: Sie sollen nicht jedem vom Lottogewinn berichten. Denn das Beispiel der pfundigen Lottogewinner aus Schottland zeigt, dass eine große Geldsumme auch negative Seiten haben kann. Oft quillt der Briefkasten über mit Bitten um Geldspenden. Oder es erreichen „unangenehme Drohbriefe die Gewinner“.

    Besser ist es, das Leben fortzuführen wie bisher. Doch: „Der Horizont und die Wahrnehmung des Alltäglichen verändern sich bei einem Millionengewinner“, sagt Holmer. Dennoch gelte es, sich bedeckt zu halten. Autokäufe, Immobilieninvestitionen und ausgiebige Reisen seien unerkannt viel angenehmer.

    Holmer ist in seinem Beruf aber auch mit menschlichen Schicksalen konfrontiert.

    Die Gewinner hätten jedes Mal auch eine ganz eigene Geschichte. Nie vergessen wird Holmer zum Beispiel einen hoch verschuldeten mittelständischen Unternehmer aus Franken, der mit einer Million Mark sein Gewerbe rettete und seine Mitarbeiter vor der Entlassung bewahrte. „Das war wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht.“

    Oder die verzweifelte Familienmutter mit Krebs, deren Kinder bei einem Unfall verunglückt sind. „Nachdem die Dame von ihrem Gewinn erfuhr, weinte sie einfach los“, sagt Holmer. Das sind sehr rührende Momente.

    Viele behandeln ihre Lotto-Quittungen wie Schätze

    Holmer hat viele Anekdoten zu erzählen. Viele Gewinner behandeln ihre Lotto-Quittungen wie Schätze. „Eine Frau bewahrte ihren Zettel in der Gefriertruhe auf, ein anderer unterm Teppich, wieder ein anderer bei den unbezahlten Rechnungen“, sagt Holmer. „Einmal roch es aromatisch nach Kaffee, als eine Dame bei mir im Büro saß“, sagt Holmer. Sie hatte den Lottoschein bei den Kaffeebohnen versteckt.

    Obwohl Holmer täglich mit hohen Geldsummen umgeht, entsteht bei ihm kein Neid. Denn: „Ich kaufe mir gerne beim Discounter Wein und Oliven und setze mich mit Freunden damit gemütlich an die Isar“, sagt er. Das können die Weirs aus Schottland daheim nicht mehr so einfach machen.

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