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Augsburger Presseball 2018: Gipsy Kings: „Alles, was wir machen, hat mit Musik zu tun“

Augsburger Presseball 2018

Gipsy Kings: „Alles, was wir machen, hat mit Musik zu tun“

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    The Gipsy Kings featuring Nicolas Reyes and Tonino Baliardo sind derzeit auf Tournee durch Brasilien. Das Foto zeigt die Band bei einem Auftritt in Sao Paolo. Am 10. November kommen die Musiker zum Augsburger Presseball.
    The Gipsy Kings featuring Nicolas Reyes and Tonino Baliardo sind derzeit auf Tournee durch Brasilien. Das Foto zeigt die Band bei einem Auftritt in Sao Paolo. Am 10. November kommen die Musiker zum Augsburger Presseball.

    Aktuell befinden Sie sich auf einer Tournee durch Brasilien. Im November sind Sie das erste Mal seit 27 Jahren wieder in Deutschland, unter anderem auch auf dem Presseball in Augsburg. Warum hat es so lange gedauert?

    Gute Frage. Es stimmt schon, wir waren jahrelang nur in den USA auf Tour. Die Zeit ist so rasend schnell vergangen. Aber wir haben unsere deutschen Freunde nicht vergessen. Und jetzt ist die Zeit gekommen, um zurückzukehren.

    Die Mischung aus Flamenco, Rumba und Latin Pop macht die Musik der Gipsy Kings einzigartig. Bei Songs wie „Volare“ hat sofort jeder eine Melodie im Kopf. Welches Geheimnis steckt hinter dem Erfolg?

    Tonino Baliardo: Das ist tatsächlich ein Geheimnis. Und das würden wir gerne für uns behalten. Was wir aber verraten können: Wir versuchen einfach, mit unserer Musik etwas zurückzugeben und mit jedem zu teilen. Wir sprechen nicht lange darüber, wie wir etwas machen, sondern machen es einfach.

    Ihr Vater José Reyes, ein angesehener Flamenco-Sänger, hat Katalonien während des Spanischen Bürgerkriegs verlassen und sich in Frankreich niedergelassen. Sie sind mit dem traditionellen Flamenco aufgewachsen. Welche Bedeutung haben diese musikalischen Wurzeln für Sie?

    Wir leben für die Musik. Alles, was wir machen, hat mit Musik zu tun. Wir vergessen nicht, wo wir herkommen. Und um uns das bewahren zu können, machen wir diese Musik. Wenn man sich zu weit von seinen Wurzeln, seiner Familie entfernt, dann könnte man seine Seele verlieren.

    Ihre Musik hat sich im Laufe der Jahre verändert, heutzutage klingen Ihre Alben reduzierter, Sie verwenden mehr klassische Gitarren, ohne großen elektronischen Schnickschnack. Hat das mit der Musikindustrie zu tun?

    In erster Linie sind unsere Fans verantwortlich für unseren Erfolg und das hat wenig mit dem Druck der Musikindustrie zu tun. Wir sind immer unseren Weg gegangen und haben Musik gemacht, wie wir es am besten können.

    Gewähren Sie uns einen kurzen Einblick in die 80er und 90er Jahre. Eine Zeit des großen Erfolgs, des Geldes und auch des sozialen Aufstiegs. Wie schwer war es, Ihre Identität zu behalten?

    Unsere Art zu leben und unsere Familie gaben uns schon immer einen besonderen Schutz. Das hat uns geholfen, wir selbst bleiben zu können.

    Ihre ersten Alben wurden mehrfach mit Gold und Platin ausgezeichnet. Auch heute, viele Jahre später, leben Sie noch davon.

    Der große Erfolg kam am Anfang daher, dass unsere frühen Arbeiten damals neu waren für die Fans. Heute ist unsere Musik weltbekannt. Daher ist es einfach, weiter erfolgreich zu sein.

    Stört es Sie, dass die Menschen Sie immer wieder auf bestimmte Songs wie „Bamboleo“ reduzieren?

    Nein, das kann man so nicht sagen. Es ist für uns normal, immer noch diese Songs zu spielen. Aber wir haben ja auch andere Lieder geschrieben, die wir damals jeden Abend gespielt haben.

    Am 10. November sind Sie im Rahmen einer Deutschlandtour auch auf dem Presseball in Augsburg zu Gast. Worauf können sich die Besucher freuen?

    Auf das, worauf sich Menschen auf der ganzen Welt bei unseren Shows freuen können: Darauf, eine Stunde glücklich zu sein. Sie müssen einfach nur dem Rhythmus der Gitarren folgen, tanzen und lächeln.

    Aufkeimender Rassismus, geringe Akzeptanz bis hin zur Verfolgung von Minderheiten in Deutschland und der Welt sind große soziale Herausforderungen. Ihr Album „Savor Flamenco“ brachte Ihnen den Grammy in der Kategorie Weltmusik ein. Ihre Musik vereint afrikanische und indische Elemente. Haben Sie Hoffnung, dass Ihre Musik einen Beitrag leisten kann, Völker zu vereinen?

    Wir machen Musik und keine Politik. Wir glauben zwar, dass Musik wohl einen positiven Einfluss auf Menschen haben muss, aber das ist nicht der entscheidende Grund, warum wir Musik machen. Wir möchten Musik für jeden einzelnen Menschen machen. Und unser Publikum repräsentiert ganz verschiedene Menschen.

    Häufig war zu lesen, dass Musikmachen für Sie kein Beruf, sondern eine Lebensart sei.

    Als „Gipsies“ (zur Bevölkerungsgruppe der Sinti und Roma gehörig, Anm. d. Red.) haben wir ohnehin schon eine andere Art zu leben. Und da wir auch noch Musik machen, unterscheiden wir uns sehr davon, wie die meisten Menschen leben. Aber auch ohne den Erfolg, den wir hatten und auch wieder haben, wären wir dieselben geblieben.

    Die Gipsy Kings in ihrer damaligen Konstellation gibt es nicht mehr. Stattdessen haben Sie sich unter dem Namen „The Gipsy Kings featuring Nicolas Reyes and Tonino Baliardo“ neu formiert. Die Band besteht nicht nur aus Ihnen beiden, sondern ist eine große Familie. Wie geht die jüngere Generation, die den Erfolg der frühen 90er Jahre nicht miterlebt hat, damit um?

    Nicolas Reyes: Wir wurden von unseren Vätern geprägt und das geben wir an unsere Söhne weiter und bald schon an unsere Enkel. Als wir anfingen, war das auch schon eine Familienangelegenheit. Das ist heute noch immer so und das wird sich auch nicht ändern. Wir werden nie aufhören, Musik zu machen, und hoffen, dass die junge Generation weiterführt, was wir aufgebaut haben.

    Interview: Philipp Kiehl

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