Bevor es um die Musikauswahl geht, ist im Leopold Mozart Haus bei der Programmvorstellung des Augsburger Mozartfests 2025 erst einmal die Rede davon, dass man „raus aus der Schublade“ wolle, die das Etikett „Klassik“ trägt. Man wolle, so formuliert es Festivalleiter Simon Pickel, „künstliche Grenzen aufheben“ und „Epochen und Genres neu miteinander kombinieren“.
Aber, fragt man sich, tut genau das der „Klassik“-Betrieb denn nicht seit jeher? Bringt denn nicht jedes Konzertprogramm, in das ein wenig Hirnschmalz investiert wurde, unterschiedliche Genres und Epochen zusammen, ist es nicht gelebter Sinn und Zweck jeglicher Festivals, stilistisch weit auseinander Liegendes zusammenzuspannen?
Das Mozartfest gibt sich wagemutig und niederschwellig
So recht mag man es nicht verstehen, wo denn die „Schubladen“-Zwänge liegen sollen. Stattdessen wächst ein Verdacht: Auf keinen Fall will das Augsburger Mozartfest den Eindruck erwecken, hochgeschlossen und elitär zu sein, so, wie es das Uralt-Klischee von der steifen, frackbekleideten Klassik besagt. Schon das in Englisch präsentierte „Raus aus der Schublade“-Motto der diesjährigen Festivalausgabe („Out of the box“) soll ja transportieren, dass man sich als jung und wagemutig, niederschwellig und abholfreudig versteht. Blickt man allerdings auf die beim Festival gespielten Werke, begegnet man allenthalben Haydn und Mendelssohn, Schubert und Schumann, Berg und Strawinsky und Mozart sowieso. Wenn das also herauskommt beim Schubladen-Exodus, dann sind die Namen keine anderen als jene, die in der Schublade schlummern.
Und das ist gut so. Vor allem – und jetzt ist über die Inhalte des Mozartfests 2025 zu sprechen -, weil für das Festival einmal mehr herausragende Interpreten verpflichtet wurden. Darunter nicht wenige frische Namen und junge Ensembles, solche freilich, bei denen die Raketen für den Karriere-Höhenflug schon gezündet haben. Etwa beim Leonkoro Quartett, mit dem das Mozartfest (16. Mai bis 1. Juni) eröffnet: Ein junges Streichquartett (mit Geigerin Amelie Wallner aus Augsburg), das Werke von Haydn, Mendelssohn und Berg präsentiert. Oder Lucas und Arthur Jussen, zwei Brüder aus den Niederlanden, die als Klavierduo an zwei Instrumenten neben Mozart und Ravel („La valse“) auch Strawinskys „Le sacre du printemps“ auf den Klaviertasten zelebrieren (24. Mai).
Iiro Rantala ist 2025 das Gesicht des Mozartfests
Das „Gesicht“ des Mozartfests 2025 - einfach deshalb, weil es auf dem offiziellen Programmflyer zu sehen ist - gehört dem Finnen Iiro Rantala. Und mit ihm, das muss man zugestehen, weicht das Festivalprogramm tatsächlich ein wenig vom Gewohnten ab. Zwar präsentiert der klassisch ausgebildete Jazzpianist Musik von Monteverdi, Vivaldi, Mozart und anderen, dies aber auf recht individuelle Weise und zusammen mit dem Galatea Quartett, zudem in eine fiktive Geschichte verpackt (23. Mai). Aber auch das siebenköpfige Ensemble Philharmonix präsentiert sich musikalisch abseits gewohnter Pfade. Die Mitglieder der Berliner bzw. Wiener Philharmoniker (u.a. Klarinettist Daniel Ottensamer) spielen Arrangements von Pop-Größen wie Queen oder Sting, aber auch von Chopin (1. Juni).

Für die Mozart-Haltigkeit beim Mozartfest sorgen zwei Ensembles, die in Augsburg keine Unbekannten sind. Die Akademie für Alte Musik Berlin kommt am 17. Mai mit der großen g-Moll-Sinfonie und der (möglicherweise nicht von Mozart stammenden) Sinfonia concertante für Oboe, Klarinette, Fagott, Horn und Orchester. Die Bayerische Kammerphilharmonie präsentiert neben der „Prager Sinfonie“ Arien und Duette von Mozart-Opern, gesungen von Nikola Hillebrand und Patricia Nolz (31. Mai).
Benjamin Appl mit Liedern von Schubert und Schumann
Zu den namhaftesten Künstlern seines Fachs gehört inzwischen der Bariton Benjamin Appl, der mit Schubert- und Schumann-Liedern am 18. Mai zu Gast ist und von Herbert Schuch am Klavier begleitet wird. Dazwischen erklingt Kammermusik der genannten Komponisten, neben Schuch gestaltet von Franziska Hölscher (Violine) und Harriet Krijgh (Viola). Liedhaftes bzw. Kammermusikalisches auch von Tenor Daniel Johannsen (mit Andreas Schmalhofer, Cello, und Christoph Hammer, Hammerflügel, am 21.5.) sowie vom „Freistil“-Ensemble mit Sarah Christian, Maximilian Hornung und Hisoko Kawamura (30.5.).
Die Weltklasse-Combo eines Weltklasse-Orchesters sind die zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker, am 25. Mai zu hören mit einem bunten Strauß von Originalkompositionen und Arrangements. Und dann ist da noch ein weiteres Orchester von hohem Rang, das am 29. Mai auch in sinfonischer Stärke antritt: Das Mahler Chamber Orchestra mit Schuberts „Unvollendeter“, Mendelssohns „Schottischer“ sowie mit Wagners „Siegfried-Idyll“, geleitet vom Alte-Musik-Spezialisten Raphael Pichon.
Ans Mozartfest schließt sich „Kling Klang Gloria!“ an
Gegen Ende des „großen“ Festivals klinkt sich auch in diesem Jahr wieder „Kling Klang Gloria!“ in die Mozart-Festlichkeiten ein und führt es fort (27. Mai bis 5. Juni). Mit Schulkonzerten, Mitmachprojekten und Familienangeboten, darunter „Vergissmeinnicht“, ein „musiktheatrales Konzert“ übers Älterwerden und Vergessen.
Weitere Infos zum Mozartfest: www.mozartstadt.de, Tickets auch bei der Bürgerinfo. Für alle unter 28 Jahre gibt es Tickets im Vorverkauf für 10 Euro.
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