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Passionierter Schwimmer: Interview mit dem Schriftsteller John von Düffel

Interview

„Das Wasser ist zu meinem Zuhause geworden“: Schriftsteller John von Düffel liest in Augsburg

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    Der Dramaturg und Schriftsteller John von Düffel hat mehrere Bücher über das Schwimmen undie Faszination des Wassers geschrieben.
    Der Dramaturg und Schriftsteller John von Düffel hat mehrere Bücher über das Schwimmen undie Faszination des Wassers geschrieben. Foto: Jens Kalaene/dpa

    Sie zu fragen, ob Sie wasserscheu sind, wäre blöde, angesichts von Büchern wie „Gebrauchsanweisung fürs Schwimmen“ oder „Wasser und andere Welten“. Wo und wie lernten Sie das Schwimmen? Und wodurch wurde es quasi obsessiv?
    JOHN VON DÜFFEL: Meine Meinung ist, dass ich schon immer schwimmen konnte. Andere Leute behaupten das Gegenteil. Aber ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie ich es erlernt habe, es ist einfach mein Element. Vielleicht durch viele Ortswechsel und Umzüge ist das Wasser für mich zu einem Zuhause geworden, hauptsächlich durch Flüsse und Seen. Schwimmbad kam dann auch noch dazu, wenn es nichts anderes gab oder es zu kalt war.

    Was ist Ihnen wertvoll am Schwimmen?
    VON DÜFFEL: Ich glaube, Wasser ist eine Gegenwelt. Eine Gegenwelt zum Trubel und den Bedrängnissen des Alltags. Wenn man eintaucht in dieses Element, dann taucht man gleichzeitig auch heraus aus Drucksituationen und Stress. Es ist das Element, in dem ich zu mir komme.

    Als Autor haben Sie ja bereits einige Preise gewonnen, aber haben Sie auch schon Pokale und Medaillen bei Schwimmwettbewerben davongetragen?
    VON DÜFFEL: Als Jugendlicher, bis 16, habe ich viel erschwommen an kleineren Preisen, vor allem als Austauschschüler in den USA. Ich hatte auch ursprünglich mal die Idee, Leistungsschwimmer zu werden, aber daraus ist nichts geworden, weil ich nicht genug steigerungsfähig war. Ich favorisierte das Langstreckenschwimmen, doch als junger Mensch ist man ja eher für die Kurzstrecke geschaffen. Ich liebte es, wenn die Trainer gesagt haben: Jetzt mach mal deine zehn Kilometer. Denn dann hatte ich meine Ruhe. Heute nun genieße ich das Einssein mit dem Wasser.

    Wenn Sie nun in einer Ausstellung zum Thema „Wasser“ lesen, bieten sich diverse Schriften Ihres Werks an: ein kompletter Roman, Erzählungen, Essays. Was genau werden Sie vortragen?
    VON DÜFFEL: Ich lese aus meinem persönlichen Klassiker „Vom Wasser“. Das ist mein Debüt-Roman und gleichzeitig der Roman, der mich zum Schriftsteller machte und mein Leben veränderte. Aber es kommen noch Geschichten zum Thema dazu, damit ich ein bisschen die Vielfältigkeit der Ausstellung abbilden kann. Und am Schluss lese ich noch etwas ganz Aktuelles, die kürzeste Geschichte, die ich je über mich als Schwimmer geschrieben habe. Sie besteht nur aus wenigen Sätzen und stammt aus dem Buch „Das Wenige und das Wesentliche“.

    Wie kam es eigentlich zu Ihrer Lesung, die in Ihrem offiziellen Terminkalender gar nicht enthalten ist?
    VON DÜFFEL: In diesem Fall bin ich persönlich kontaktiert worden von den Machern der Ecke, von Dr. Kautz. Und weil mich das Thema Wasser nicht loslässt und ich auch gerne mit Wasser- und Gleichgesinnten ins Gespräch komme, habe ich schnell und unkompliziert zugesagt, wahrscheinlich schneller als der Verlag für meine website reagieren konnte. 

    Nun ist Wasser nicht nur ein Wellness-Lieferant, sondern auch eine nicht selten tödliche Hürde für Flüchtlinge, eine Abfallgrube sowie eine menschengemachte Gefahr durch Anstieg der Meeresspiegel. Kommt dies in Ihrer Lesung auch zur Sprache?
    VON DÜFFEL: Ja. Diese Ambivalenz gehört elementar zum Thema dazu. Ohne Wasser gibt es kein Leben, aber Wasser kann eben auch Tod bedeuten. Jeder Schwimmer weiß das, wenn er sich nicht in den sicheren Bahnen eines Schwimmbads bewegt. Jeder Schwimmer weiß: Wenn einen die Kräfte verlassen, kann es das Ende sein. Das ist die Doppelgesichtigkeit des Elements Wasser.

    Von diesem Jahr an können Sie regelmäßig in der Pegnitz schwimmen, weil Sie nach vielen Stationen als Theaterdramaturg eine Intendanz annehmen, die am ETA Hoffmann Theater in Bamberg. Welche Art von Theater werden Sie dort zeigen? Auf welche Dramatiker legen Sie hohen Wert?
    VON DÜFFEL: Den Spielplan kann ich noch nicht verraten, der wird im Mai feierlich verkündet. Aber: Es wird literarisches Theater sein; das sehr stark vom Wort, vom Text her kommt. Und es wird auch so sein, dass man gleich zu Beginn das Schwimmen und die Liebe zum Wasser im Theater wiederfinden wird. Sozusagen eine feuchte Eröffnung. Mein Fokus insgesamt richtet sich weniger auf Projekt, Installation, Performance als auf das Erzählen von Geschichten und das Wort als Brücke. 

    Zur Person

    John von Düffel, geboren 1966 in Göttingen, ist Schriftsteller und Dramatiker und arbeitete als Dramaturg an mehreren Theatern. Im Sommer 2025 übernimmt er die Intendanz des E.T. Hoffmann-Theaters in Bamberg. Am Mittwoch, 26. Februar, liest er um 18.30 Uhr im Rahmen der gegenwärtigen „Wasser“-Ausstellung in der Ecke-Galerie am Elias-Holl-Platz.

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