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Kulturszene: Sie wollen für kulturelle Vielfalt an einem Strang ziehen

Kulturszene

Sie wollen für kulturelle Vielfalt an einem Strang ziehen

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    Für eine größere Vernetzung kultureller Akteure in Augsburg setzt sich Sedat Cerimi ein.
    Für eine größere Vernetzung kultureller Akteure in Augsburg setzt sich Sedat Cerimi ein. Foto: Sedat Cerimi

    Mit dem Begriff Biotop verbindet man erst einmal eher Feuchtwiesen und Auwälder statt Liveclubs oder Proberäume. Bemüht man ein griechisches Wörterbuch, erschließt sich die Verbindung schon eher: Biotop bedeutet „Lebensraum“, ein Lebensraum von Organismen einer schützenswerten Art – in diesem Fall: dem Menschen. Sedat Cerimi, Musiker, Produzent, Kurator und Coach sieht die Szene der Stadt als einen solchen Lebensraum, der nur funktioniert, wenn die verschiedenen Akteure aus denen, die Kunst schaffen, Kunst ermöglichen und Kunst konsumieren, an einem Strang ziehen.

    Sedat Cerimi: Kulturelle Vielfalt in Augsburg stärken

    Dass das in Augsburg geht, „hat die Szene immer wieder bewiesen. Aber manchmal ist es schwer, für die nächste Generation hineinzukommen, wenn man nicht weiß, wo der Eingang ist“. Gerade während der Pandemie wurde Cerimi das schonungslos vor Augen geführt. Während er wenigstens noch Anfragen bekam, in Streams aufzutreten, standen viele andere lokale Acts vor abgesagten Konzerten und verschlossenen Türen. Mit der Gründung des Local Natives Festivals wirkte er dem entgegen: „Mit unserer Arbeit möchten wir die kulturelle Vielfalt stärken und solidarische Strukturen fördern.“

    Nach dem ersten Open Air am Gaswerk mit den heute weltweit tourenden Klangphonics und dem Augsburger Akustikgitarren-DJ Matze Sampler 2021 entwickelte sich aus einem kleinen Festival ein Projekt, das „Bands direkt aus dem Proberaum auf die Bühne bringt“, Tonstudioförderungen für Newcomer anbietet und dazu andere Projekte unterstützt. Oder besser gesagt: andere kleinere Biotope innerhalb des großen Biotops „Augsburger Subkultur“. Ein ganz besonderes und dabei ein ganz besonders gefährdetes Biotop ist das Grandhotel Cosmopolis, das „ein Mosaik aus Veranstaltungen, Hotelbetrieb und Anbindung zu einer Flüchtlingsunterkunft bietet. Es ist ein Ort, an dem sich unterschiedlichste Lebensrealitäten zu einem lebendigen Gesamtbild fügen. Es war und ist auch für mich ein wichtiger Ort, als Künstler, als Mensch mit Migrationshintergrund, es wurde zu meiner zweiten Heimat. Es ist eine wichtige Anlaufstelle für viele Menschen“.

    Veranstaltung: Wie kann das Grandhotel Cosmopolis erhalten bleiben?

    Daher veranstaltet das Local Natives Festival zusammen mit der Club und Kulturkommission e.V. am kommenden Samstag, 1. März, ein Panel mit Vertretern der Stadt, des Integrations- und Kulturbeirates sowie weiteren kulturellen und sozialen Organisationen, um sich über den „Erhalt des soziokulturellen Biotops Grandhotel“ auszutauschen. Denn das Biotop Kultur „braucht dringend Räume, in denen Ideen wachsen und sich entfalten können“. Und es braucht Institutionen und Menschen, die gerade den Nachwuchs den Weg zum Eingang weist. Künstlern wie Valence zum Beispiel, der für eine Single allein sechs Millionen Streams auf Spotify aufweisen kann und trotzdem nicht regelmäßig die Möglichkeit bekommt, live zu spielen. Zusammen mit Kasheeey spielt er nach dem Panel atmosphärischen Synth-Pop, dazu werden noch KDO und Styks auf der Bühne stehen. Erstere ist Teil der queeren Szene und spielt handgemachte wie selbstproduzierte eklektische Popmusik, die sie wie Styks schon auf dem Modular Festival einem größeren Publikum präsentiert hat.

    Das Local Natives Festival möchte jungen Künstlerinnen und Künstlern die Hand für die ersten Schritte reichen. „Denn das ist eigentlich das große Drama der Menschheit: Wir glauben alle, wir wären mit unserem Kram allein“. Die Idee eines gesunden, subkulturellen Biotops ist, dass alle Beteiligten – die, die Kunst schaffen, Kunst ermöglichen und Kunst konsumieren – diesen Glauben verlieren dürfen.

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