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Debatte: Umsatzeinbrüche: Die Einzelhändler in Augsburg kämpfen um ihre Existenz

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Umsatzeinbrüche: Die Einzelhändler in Augsburg kämpfen um ihre Existenz

Ina Marks
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    In der Augsburger Innenstadt sind seit der Maskenpflicht und dem "Lockdown light" weniger Menschen unterwegs.
    In der Augsburger Innenstadt sind seit der Maskenpflicht und dem "Lockdown light" weniger Menschen unterwegs. Foto: Michael Hochgemuth

    Eine Einzelhändlerin aus der Altstadt hat seit ein paar Tagen eine Kerze im Angebot. Die Nachfrage ist groß. "2021 wird besser" steht in schwarzen Buchstaben auf weißem Wachs. Eine Hoffnung, die wohl jeder hegt. Vor allem auch die Einzelhändler. Diese trifft der zweite Lockdown besonders hart.

    Viele haben noch an den Auswirkungen des ersten im Frühjahr zu knabbern. Während Gastronomie und Hotels 75 Prozent ihres November-Umsatzverlustes von der Bundesregierung erstattet bekommen sollen, gehen die Boutiquen- und Geschäftsinhaber aber ziemlich leer aus. Beim schwäbischen Einzelhandelsverband befürchtet man deshalb, dass der zweite Lockdown für manches Geschäft in absehbarer Zeit das Aus bedeuten wird, weil bei vielen inzwischen auch Rücklagen und private finanzielle Reserven aufgebraucht sind.

    Augsburger Einzelhändler: Plötzlich war der Schalter umgelegt

    Zwar dürfen die Händler im Gegensatz zur Gastronomie weiterhin öffnen, doch wer durch Augsburgs Innenstadt läuft, stellt fest: Es sind viel weniger Menschen unterwegs. "Also ob ein Schalter umgelegt worden wäre", beschreiben Geschäftsleute den drastischen Kundenrückgang. Sie verorten diesen Zeitpunkt auf die Einführung der Maskenpflicht in der Innenstadt Mitte Oktober und die Schließung der Cafés, Bars und Restaurants - zwei Dinge, die einen Einkaufsbummel für viele unattraktiver machen. Hinzu kommt bei vielen Kunden die Angst, sich mit dem Coronavirus anstecken zu können. Das ergab zuletzt eine Umfrage der FOM-Hochschule für Ökonomie & Management, bei der 504 Augsburger aus allen Altersgruppen interviewt wurden. Demnach fühlen sich rund 69 Prozent beim Weihnachtseinkauf trotz aller Hygieneauflagen nicht wirklich sicher.

    Angesichts dieser desaströsen Lage brauchen die Einzelhändler Unterstützung. Sie sind ohne eigenes Verschulden in diese Situation geraten. Doch wer kann helfen? Die Bundesregierung finanziert nur den Umsatz-Ausfall der von ihnen geschlossenen Betriebe. Die Kollateralschäden im Einzelhandel bezahlt sie nicht, weil das angesichts des Volumens zu teuer wäre. Aber warum eigentlich? Es ist nicht fair, Wirte und Hoteliers besser zu stellen als Händler.

    Aussage von Oberbürgermeisterin Weber hat manche verärgert

    Dann ist da aber auch die Augsburger Stadtregierung. Sie hat sich immer für eine attraktive Innenstadt mit einer lebendigen Mischung aus Gastronomie, Handel und Dienstleistung eingesetzt. Und jetzt? Oberbürgermeisterin Eva Weber hat zuletzt unglücklich agiert. Sie betonte nach dem Anstieg der Covid-19-Infektionen im Oktober, man dürfe momentan keinen Anlass bieten, dass die Menschen in die Innenstadt kommen. Diese Aussage hat manche Einzelhändler nachhaltig verärgert, von einer Oberbürgermeisterin hätten sie wenigstens eine behutsamere Formulierung erwartet. Und es bestehe ja auch keine große Gefahr: Mit ihren Hygienekonzepten sorgen die Händler bestmöglich für Sicherheit, sie haben sich auch an die städtische Auflage gehalten, vor jedem Laden Desinfektionsmittelspender aufzustellen. Davon abgesehen lassen sich viele für ihre Kunden etwas einfallen.

    Modegeschäfte bieten individuelle, separate Beratungstermine an oder schicken Kleidung zum Anprobieren nach Hause. Einzelhändler fahren auf Wunsch Waren nach Ladenschluss aus, sogar mit dem Fahrrad, wenn es nicht anders geht. Oder sie bringen Bestellungen hinaus auf den Parkplatz zum Kundenauto. Die Geschäfte kämpfen um ihre Existenz wie vielleicht noch nie zuvor. Was wäre, wenn sie dabei etwas Unterstützung bekämen? Die Stadtmarketing-Gesellschaft Augsburg Marketing will sich im Advent nach eigener Aussage keine große Aktion einfallen lassen, um nicht unnötig Leute in die Innenstadt zu locken. Aber irgendwie will sie dann doch wieder Besucher da haben und hofft jetzt auf die Wirkung der Weihnachtsbeleuchtung. Nett, aber eben nicht außergewöhnlich. Hier dürfte man kreativere Ansätze erwarten.

    Händler holen das nach, was sie vielleicht versäumt haben

    Doch die Händler müssen auch selbst aktiv werden, der eine oder andere ist durch Corona erst aufgewacht und holt jetzt das nach, was man schon längst hätte tun können: sich und seine Waren auch im Internet adäquat zu präsentieren. Dabei geht es gar nicht explizit um den Online-Handel. Schließlich leben inhabergeführte Geschäfte vor allem vom persönlichen Kundenkontakt und der Beratung. Vielmehr geht es darum, auf verschiedenen Plattformen mit dem Angebot präsent zu sein, sich in Erinnerung zu rufen, also Anlass für einen Besuch vor Ort zu geben.

    Auch die Stadt sollte sich in dieser dramatischen Zeit für die Branche starkmachen. Anstelle des Signals, die City zu meiden, sollte die Verwaltung den Handel vor Ort unterstützen. Etwa mit Verweisen auf die funktionierenden Hygiene- und Schutzkonzepte und mit intensiveren Appellen, hier vor Ort einzukaufen statt im Internet zu bestellen. Denn das Shoppen bei Einhaltung aller Regeln zählt sicherlich nicht zu den großen Ansteckungsrisiken.

    Eine plakative, öffentliche Solidarität mit dem Einzelhandel hätte jedenfalls mehr Wirkung und Kraft, als zu sagen, als Stadt hoffe man "auf eine positive Entwicklung der Corona-Zahlen und ein möglichst erfolgreiches Weihnachtsgeschäft für unsere Einzelhändler", wie es unlängst aus dem Wirtschaftsreferat hieß. Da kann man sich auch gleich eine Kerze anzünden mit der Aufschrift "2021 wird besser". Nur durch Hoffen allein ist dem Einzelhandel nicht geholfen.

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