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Augsburg
30.08.2020

Debatte: Durch Corona geht in Augsburg plötzlich, was vorher unmöglich war

Ein Biergarten mitten am Augsburger Königsplatz – auch das ist erst in Zeiten der Corona-Pandemie möglich geworden.
Foto: Peter Fastl (Archivfoto)

Mehr Radfahrer, eine gesperrte Maxstraße und zusätzlicher Platz für Gastronomen, das sind positive Auswirkungen von Corona. Manche Veränderungen sollten nach der Krise bleiben.

Das Coronavirus verlangt uns allen viel ab. Unser Leben wurde auf den Kopf gestellt. Volksfeste, Sport, Urlaub, Feiern – alles geht seit Monaten gar nicht mehr oder, wie jetzt beim Ersatz-Plärrer, nur sehr eingeschränkt. Der wirtschaftliche Schaden ist immens. Viele Menschen, auch in Augsburg, bangen um ihr Einkommen und ihren Arbeitsplatz. Das Gesicht der Stadt verändert sich: Mancher Gastro-Betrieb und mancher Händler übersteht die Corona-Krise nicht. Und dennoch: Es gibt auch Positives, das sich in Zeiten der Krise entwickelt hat. Dinge, die auch weiter Bestand haben sollten, wenn das Virus hoffentlich eingedämmt ist.

Eine Mitarbeiterin eines Geschäfts steht mit Atemschutzmaske und Handschuhen im Laden.
15 Bilder
Augsburg während des Lockdowns im Frühjahr: Bilder aus einer Stadt, die still geworden ist
Foto: Daniel Biskup

Ganz vorneweg: In der Krise haben wir neu darauf geschaut, wie wir mit dem begrenzten Platz umgehen sollten, den wir in einer Stadt wie Augsburg haben. Eine Begleiterscheinung etwa war, dass das Auto plötzlich nicht mehr so wichtig war. Viele Menschen sind auf das Rad umgestiegen. Es ist noch mehr ins Bewusstsein gerückt, wie wichtig der Radverkehr sein wird, wenn man eine klimafreundliche Verkehrswende will. Und wie viel noch zu tun ist, um dem Fahrrad im öffentlichen Raum den Stellenwert zu geben, den es verdient hat. Mehrspurige Autoschneisen sind eine Selbstverständlichkeit, ausreichend breite Radwege, sodass man auch überholen kann, sind noch immer die Ausnahme – oder werden als Luxus abgetan.

Corona: Gastronomisch genutzte Plätze wirken freundlicher

Beim öffentlichen Raum geht es aber nicht nur um den Verkehr. In der Stadt wurde, als Reaktion auf die Krise, auch Platz geschaffen für mehr Außenflächen für die Gastronomie. Teils mussten dafür Parkplätze weichen. Teils aber, etwa in der Annastraße, war der Platz zuvor schon da – er wurde nur einfach nicht genutzt. Was als Notmaßnahme gedacht war, um die Gastrobetriebe zu unterstützen, erweist sich als eine Aufwertung der Aufenthaltsqualität in der Stadt. Gastronomisch genutzte Plätze wirken lebendiger, freundlicher.

Wobei es nicht bei der Gastro bleiben muss: Mehr Sitzmöglichkeiten etwa, auch ohne den Zwang, etwas konsumieren zu müssen, könnte die Stadt auf vielen Plätzen noch anbieten. Auch mehr Spielmöglichkeiten für Kinder auf den Plätzen in der Stadt sollten – wenn die Krise überstanden ist – endlich angepackt werden. Was spricht dagegen, den eher trostlos wirkenden Elias-Holl-Platz hinter dem Rathaus mit Spielgeräten zu einem Treffpunkt für Familien auszubauen?

Ebenfalls eine Lehre der Corona-Krise: Straßensperrungen, um mehr Raum für Fußgänger zu schaffen, sind plötzlich schnell und ohne ausufernde Diskussionen möglich. Die abendliche Sperrung der Maximilianstraße an den Wochenenden ist dafür das Beispiel. Seit Jahren wird über die Auto-Angeber geschimpft, die mit ihren PS-starken Wagen unnötig für Lärm und schlechte Luft sorgen. Geschehen ist lange nichts. Nun plötzlich konnten sie, zumindest zeitweise, aussperrt werden. Das wertet die Prachtstraße für Passanten auf – und sollte unbedingt so bleiben.

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In diesem Fall sieht es sogar ganz gut aus, dass nach Corona die Uhren nicht wieder zurückgestellt werden. Denn die neue schwarz-grüne Stadtregierung hat im Koalitionsvertrag das Ziel einer „autofreien Maxstraße“ formuliert. Was ja mit Augenmaß umgesetzt werden kann und nicht bedeuten muss, dass Anlieger ausgesperrt werden. Auch andere Beispiele zeigen, was plötzlich geht, wenn es sein muss: eine Pfandpflicht für Getränke, die zum Mitnehmen verkauft werden, etwa. Oder strengere Kontrollen, wenn Auswüchse im Nachtleben überhandnehmen.

Es geht erst einmal darum, die Corona-Krise weiter durchzustehen

Auch in Augsburg geht es in der nächsten Zeit erst einmal darum, die Krise weiter durchzustehen. Dass sie noch nicht vorbei ist, hat Oberbürgermeisterin Eva Weber in dieser Woche noch einmal deutlich gemacht. Die CSU-Politikerin sagte: „Alle wissen, dass wir eine Krise haben, aber niemand will wahrhaben, dass wir eine Krise haben.“ Einen zweiten Lockdown schloss sie nahezu aus. Was richtig ist – denn inzwischen hat man viel darüber lernen können, wo sich das Virus leicht weiterverbreitet und wo nicht. Verbote nach dem Gießkannenprinzip sind nicht erforderlich. Besser ist es, jeweils dort zu reagieren, wo die Risiken gerade besonders groß erscheinen. Ein zweiter Lockdown wäre auch für Augsburg dramatisch. Es gab ja ohnehin schon viele schlechte Nachrichten aus der Augsburger Wirtschaft in den vergangenen Wochen und Monaten – etwa die drohenden Jobverluste bei MAN und Premium Aerotec.

Auch wenn es für viel momentan noch unvorstellbar scheint, weil Corona noch immer das Leben massiv beeinflusst: Es wird auch eine Zeit nach der Krise geben. Dann wird es darauf ankommen, das mitzunehmen, was an Positivem in der Stadt angestoßen worden ist.

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