Clara Geenen ist eine junge Künstlerin, die im Alter von drei Jahren bei einem Autounfall lebensgefährlich verletzt wurde und seitdem mit den Folgen eines Schädelhirntraumas lebt. Ihre vielfältigen Beeinträchtigungen zeigen ihr immer wieder die Grenzen auf. Sie selbst fühlt sich aber normal, erst an den Reaktionen der Mitmenschen erkennt sie, dass sie „anders“ wahrgenommen wird. Doch die begabte 32-Jährige hat gelernt, negative Erfahrungen mit der Behinderung durch ihre Leidenschaft für die Malerei sowie das Verfassen von Texten aufzuarbeiten und trotz ihrer eingeschränkten Beweglichkeit begann sie mit unbändigem Willen, ihren ganz eigenen künstlerischen Weg zu gehen.
Gemalt hat Clara Geenen schon immer, wie es eben Kinder so tun, auch später in ihrer Rehabilitationsphase zeigte es sich, dass sie sich mit künstlerischen Tätigkeiten wohlfühlte, allerdings erst in Corona begann sie auch nebenbei zu erzählen, was sie malt und dabei bewegt. Ihre Bilder spiegeln stets ihre eigene Situation, ihre innere Welt wider, wie es deutlich an ihrem ersten Bild, dem „Kettentier“ zu erkennen ist. Seit 2021 ist sie in den Schwabmünchner Ulrichs Werkstätten, wo sie ihre künstlerischen Fähigkeiten ausleben und ihre Leidenschaft voll entfalten kann. Hier entstanden in den vergangenen Jahren unzählige Werke, die so großen Anklang fanden, dass schließlich mit ihren Bildern und Texten zu ihren Gedanken 2022 das Buch „Anders normal“ entstand.
Es gibt kein Normal, jeder Mensch hat auf irgendeine Weise eine Baustelle
Clara Geenen, Künstlerin
Durch das Buch, das große Beachtung fand, wurde ihr weiteres künstlerisches Wirken zum Selbstläufer, und die junge Autorin gestaltete über das Augsburger Umland hinaus zahlreiche Ausstellungen und Lesungen. Kunst kennt eben keine Grenzen und die Herausforderungen wurden zur Motivation pur für die junge Frau. Tiere so erklärt die junge Frau, finden nicht, dass sie anders ist, „denen ist es egal“. Sie macht mit ihren Werken auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen aufmerksam und legt dabei eine bemerkenswerte Tiefe an Emotionen an den Tag. Ihr Schluss: „Es gibt kein Normal, jeder Mensch hat auf irgendeine Weise eine Baustelle.“ Somit macht sie sich ihre Welt mit ihrer Kunst einfach so, wie sie ihr gefällt, mit viel Mut, Kreativität und künstlerischem Ausdruck und überwindet damit willensstark Barrieren.

Auf Einladung der SPD-Neusäß stellt Clara Geenen derzeit im Pfarrsaal der Philippuskirche in Westheim ihre Werke aus. Zur Vernissage, die von der Landtagsabgeordneten Simone Strohmayr eröffnet wurde und zu welcher zahlreiche interessierte Gäste gekommen waren, hatte die junge Künstlerin nicht nur eine Rede gehalten, sondern ein Lied über einen Schmetterling geschrieben und musikalisch begleitet von einem Trio, selbst vorgetragen. Schmetterlinge liebt Clara Geenen, sie sind ihre Lieblingstiere. Bei ihnen scheint alles so leicht zu sein, sie können problemlos hoch in die Lüfte fliegen, bewundert Clara sie. Letztlich sind sie aber auch so leicht verletzlich und schwach wie sie. Derzeit plant die junge Künstlerin ein weiteres Buch mit Text und Illustrationen.
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