Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg Land
Icon Pfeil nach unten

Ludwig Ganghofer: Vom Forstkind zum Schriftsteller in Welden

Welden

Ludwig Ganghofer wurde durch den Schwäbischen Holzwinkel geprägt

    • |
    • |
    • |
    Die Amtsstube des Herrn Oberförsters August Ganghofer.
    Die Amtsstube des Herrn Oberförsters August Ganghofer. Foto: Heinz Münzenrieder

    Warum auch immer: Ludwig Ganghofer zog es nicht – obwohl die guten Eltern es gerne so gesehen hätten – zur grünen Försterei. Die Voraussetzungen hierzu wären günstig gewesen: Vater August war 13 lange Jahre königlicher Revierförster in Welden. Dort – in der idyllisch gelegenen Holzwinkelgemeinde - verbrachte der in Kaufbeuren geborene Ludwig seine Kindheit und Jugend. Doch für den Vater war dies noch lange nicht das Ende der Kariere: Er stieg auf zum Ministerialrat und Leiter der Königlich-Bayerischen Forstverwaltung in München. Die von ihm eingeleiteten Reformen sind heute noch mehr als nur eine Fußnote im Buch des Bayerischen Forstwesen. Weit brachte es auch dessen Bruder, der ebenfalls eng mit dem Forst liiert war.

    Auf der Durchfahrt mit dem Orientexpress: Kaiser Wilhelm I. (Mitte) wird von Ludwig Ganghofer (links) auf dem Münchner Hauptbahnhof begrüßt.
    Auf der Durchfahrt mit dem Orientexpress: Kaiser Wilhelm I. (Mitte) wird von Ludwig Ganghofer (links) auf dem Münchner Hauptbahnhof begrüßt. Foto: Heinz Münzenrieder

    Dieser wurde in Augsburg Mitglied des Magistrats. Als erster ausgebildeter Förster der Stadt schuf er dabei in den 1880-er Jahren den Diedorfer Exotenwald. Ludwig Ganghofer aber imponierte wohl so ein warmes Beamtenplätzchen weniger: Er arbeitete kurzzeitig als Schlosser bei Riedinger in Augsburg und studierte Maschinenbau am Münchner Polytechnikum. Doch dann zog es ihn zur Literaturgeschichte und Philosophie. Die Universitäten München, Berlin und Leipzig sind seine Studienorte. Schließlich lässt er sich 1894 in München nieder und sein beispielloses schriftstellerisches Wirken beginnt. Heimatromane und Volksstücke sind sein Metier. Gleich 40 Millionen Exemplare seiner Werke werden verkauft.

    Er unterstützt das „staatsfeindliche“ Satire-Blatt „Simplicissimus“

    Und er wird zum meistverfilmten deutschen Autor: „Der Jäger von Fall“ oder „Das Schweigen im Walde“ lassen grüßen. Natürlich ist viel Bergromantik und ein Schuss „Heimatduselei“ dabei. Eine andere Seite des Ludwig Ganghofer gibt es aber auch: Er gründete die Münchner Literarische Gesellschaft, unterstützte Kollegen oder half dem „staatsfeindlichen“ Satire-Blatt „Simplicissimus“. Und er förderte Karl Valentin und Rainer Maria Rilke. Eng war er mit Ludwig Thoma und Frank Wedekind befreundet. Doch seine Weldener „Holzwinkelzeit“ ließ ihn literarisch nie richtig los: Die waldreiche Landschaft zur Donauebene hin und nicht wenige Charaktere aus diesem urschwäbischen Gebiet leben in vielen seiner Werke weiter.

    Welden hat also allen Grund hierfür, das Ganghofer´sche Erbe pfleglich zu erhalten. Dieser Verpflichtung ist es auch nachgekommen: So zeigt uns eine Dauerausstellung im Gasthof „Zum Hirsch“ – in dem die Ganghofers oft Gäste waren – ihr örtliches Leben und Wirken sowie auch ihre literarischen und forstlichen Karrieren weit über das sie prägende Welden hinaus. Und der „Lausbubenweg“ – ein 3,5 Kilometer langer Rundkurs durch den Ganghoferwald – lässt literarische Streiche und Abenteuer des kleinen Ludwig Revue passieren. Vater und Sohn Ganghofer präsentieren damit auch ein gutes Stück weit die Identität Weldens.

    Infos: Ganghoferstätte Dauerausstellung im Weldener Gasthof „Zum Hirsch“, Telefonische Anmeldung notwendig bei Klemens Kugelmann, Vorsitzender des Vereins „Ludwig-Ganghofer-Freunde Welden“ (Tel. 08293/227). Homepage: www.markt-welden.de/ludwig-ganghofer

    Diskutieren Sie mit
    0 Kommentare

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Registrieren sie sich

    Sie haben ein Konto? Hier anmelden