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Bischof Bertram Meier weiht neuen Altar im Dießener Marienmünster – Ein historischer Moment für die Gemeinde.

Dießen

Am Sonntag weiht Bischof Bertram Meier den neuen Altar im Marienmünster in Dießen

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    Pfarrer Josef Kirchensteiner zeigt die vom Bischof versiegelte Kapsel, in der die Gebeinsplitter der heiligen Hedwig und des heiligen Ulrich verwahrt sind.
    Pfarrer Josef Kirchensteiner zeigt die vom Bischof versiegelte Kapsel, in der die Gebeinsplitter der heiligen Hedwig und des heiligen Ulrich verwahrt sind. Foto: Gerald Modlinger

    Die Weihe eines Altars und eines Ambos ist – nicht nur für gläubige Christen – ein besonderes Ereignis. Am kommenden Sonntag können die Menschen in der Region an einem solchen im Dießener Marienmünster teilnehmen. Denn seit einigen Wochen stehen dort ein neuer Altar und ein neuer Ambo, an dem künftig Gottesdienste gefeiert werden sollen.

    Die Altarweihe ist in der katholischen Kirche den Bischöfen vorbehalten und findet in aller Regel im Rahmen der ersten Eucharistiefeier statt. Die Weihe unterliegt sechs festgelegten Riten, die zum Teil aus dem 4. Jahrhundert stammen. Am Sonntag, 30. März, kommt daher Bischof Bertram Meier aus Augsburg an den Ammersee, um die Weihe vorzunehmen.

    Am Fuß der beiden Altarsäulen werden die Reliquien der heiligen Hedwig und des heiligen Ulrich versenkt.
    Am Fuß der beiden Altarsäulen werden die Reliquien der heiligen Hedwig und des heiligen Ulrich versenkt. Foto: Gerald Modlinger

    Zunächst werden die Reliquien der Heiligen Hedwig und des Heiligen Ulrich in einer vorgesehenen Aussparung im Fundament der Kirche, unmittelbar unter dem Altar, zwischen den beiden Säulen des sogenannten Stipes, eingelassen. Dieser Ritus wurde eingeführt, weil es nicht immer möglich war und ist, Kirchen über den Gräbern von Märtyrern zu errichten, wie dies in der Frühzeit des Christentums etwa in Rom üblich war. Daher ist der Brauch entstanden, in die Altäre Reliquien von Heiligen einzulassen. Ambrosius von Mailand formulierte im 4. Jahrhundert die Verbindung der Reliquien mit dem Altar: „Er, der für alle gelitten hat, liegt auf dem Altar: sie, durch sein Leiden erkauft, ruhen unter dem Altar.“

    Bischof Bertram Meier wird am Sonntag in Dießen den neuen Altar und den neuen Ambo im Marienmünster weihen.
    Bischof Bertram Meier wird am Sonntag in Dießen den neuen Altar und den neuen Ambo im Marienmünster weihen. Foto: Augsburger Allgemeine (Archivbild)

    Die Reliquien (laut Dießens Pfarrer Josef Kirchensteiner etwa fingernagelgroße Knochensplitter) der Heiligen Hedwig von Andechs wurden vom Krakauer Erzbischof Marek Jędraszewski ins Bistum Augsburg übersandt und vor wenigen Tagen von Pfarrer Josef Kirchensteiner in die Pfarrgemeinde überführt. Hedwig war eine Tochter von Berthold IV., der unter anderem Graf von Andechs und Herzog von Meranien (ein Landstrich an der nördlichen Adria im Raum Rijeka) war, und dessen Frau Agnes von Rochlitz aus der sächsischen Adelsfamilie der Wettiner. Beide sind im Marienmünster bestattet. Durch Heirat wurde Hedwig Herzogin von Schlesien. Sie starb 1243 im Kloster Trebnitz, das sie gegründet hatte und in das sie als Witwe eingetreten war. 1267 wurde sie heiliggesprochen. Die heilige Hedwig war auch eine Großnichte der seligen Mechtildis, deren Gebeine bereits seit 1739 in einem gläsernen Schrein im Marienmünster aufbewahrt werden.

    An fünf Stellen auf dem Altartisch wird vom Augsburger Bischof Bertram Meier Weihrauch entzündet

    Weil die Pfarreiengemeinschaft Dießen zum Bistum Augsburg gehört und das Marienmünster eine der bedeutendsten Kirchen in dieser Diözese ist, sollen auch Reliquien des einstigen Augsburger Bischofs Ulrich im Marienmünster aufbewahrt werden. Ulrich war von 923 bis 973 der 19. Bischof von Augsburg und wurde 993 durch Papst Johannes XV. heiliggesprochen. Das Marienmünster zeigt damit seine Verbundenheit mit der Kathedrale und dem Bischof von Augsburg.

    Anschließend wird der Altar, ähnlich wie bei einer Taufe, mit Weihwasser besprengt. Das Besprengen mit gesegnetem Wasser erinnert an das Wort Jesu, dass aus seinem Inneren „Ströme lebendigen Wassers fließen“ werden: „damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollen, die an ihn glauben“ (Joh 7,18f). Von diesem Geist sollen alle erfüllt werden, die von diesem Altar mit Leib und Blut Christi gestärkt werden.

     Das Dießener Marienmünster ist eine der bedeutendsten Kirchen der Diözese Augsburg.
    Das Dießener Marienmünster ist eine der bedeutendsten Kirchen der Diözese Augsburg. Foto: Frauke Vangierdegom (Archivbild)

    Es folgt die Salbung des Altars mit Chrisam, wodurch der Altar zum Symbol Christi werden soll. „Christus“ bedeutet auf Deutsch „der Gesalbte“. Auch bei einer Taufe wird jeder Mensch mit Chrisam gesalbt.

    Bevor Bischof Bertram dann im Weihegebet den Segen Gottes erbittet, wird auf dem neuen Altar in der Mitte und an den vier Ecken Weihrauch verbrannt. Die Stellen sind jeweils durch eingravierte Kreuze im Altartisch, der Mensa, markiert. Dieser Vorgang soll auf das Opfer Christi sowie auf die Gebete der Gläubigen, die zu Gott emporsteigen, hindeuten.

    Mit dem Waschen des Altartischs und dem Auflegen des weißen Altartuchs, ähnlich einem weißen Tischtuch auf einem festlich geschmückten Tisch, sowie der Entzündung des Altarlichts an der Osterkerze schließt Bischof Bertram die sogenannte Zurüstung des Altars ab.

    DIe Weihemesse ist die erste Eucharisiefeier an einem neuen Altar

    Übrigens: Eine Altarweihe kann laut den Vorgaben der katholischen Kirche nicht an den drei österlichen Tagen, an den übrigen Tagen der Karwoche, am Aschermittwoch und an Allerseelen erfolgen. Eucharistiefeiern, die vor der Altarweihe in einem Gotteshaus gefeiert werden, finden an einem vorübergehend aufgestellten Tisch statt. „Die Weihemesse soll die erste Eucharistiefeier auf dem neuen Altar sein“, erläutert Pfarrer Kirchensteiner.

    Entworfen und gebaut hat den neuen Altar sowie den neuen Ambo Thomas Link aus Waal. Verwendet wurde für die Mensa, also die Tischplatte des Altars und den Stützbogen, der die Platte trägt, heller, beigefarbener Botticino-Marmor aus Italien. Zwei seitliche Messingstützen werden die Mensa wie eine offene Schale halten. Beide Materialien wurden auch für den neuen Ambo verwendet. 

    Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst mit der feierlichen Weihe von Ambo und Altar am Sonntag, 30. März, vom Münsterchor und den Dießener Münsterspatzen sowie vom Münsterorchester. Der Gottesdienst beginnt um 10 Uhr.

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