Eigentlich hatte Parkettleger-Meister Siegfried Schaller aus dem Petersdorfer Ortsteil Willprechtszell in diesen Tagen Grund zur Freude: Er feierte seinen 65. Geburtstag. Dennoch ärgert er sich weiter maßlos darüber, dass er einen Arbeitslohn von über 3500 Euro zurückzahlen soll. Das fordert der Insolvenzverwalter der Schuhbeckgruppe. Schaller und sein Sohn Jürgen hatten im Mai 2020 in einem Restaurant des inzwischen insolventen und wegen Steuerhinterziehung inhaftierten ehemaligen Starkochs Alfons Schuhbeck einen Parkettboden verlegt. Im vergangenen November haben die Schallers neue Post von einem Berliner Anwalt bekommen.
Die beiden Handwerker aus Willprechtszell sind Inhaber der Neuburger Firma Fußboden Ketterle GbR. Nach Angaben des Seniorchefs hat die Firma einen guten Ruf und schon mehrfach für bekannte Unternehmen und Persönlichkeiten gearbeitet. Trotzdem müsse auch sein Betrieb schauen, wie er um die Runden komme. Die stets zunehmende Bürokratie und die vielen rechtlichen Vorgaben seien existenzbedrohend für Handwerksfirmen wie seine. Wenn dann noch „solche Tricksereien“ wie die Forderung des Insolvenzverwalters dazukämen, wolle niemand mehr ein Handwerk ergreifen, so Schaller.
Schuhbeck‘s Am Platzl GmbH ist Auftraggeber der Bodenlegearbeiten
Wie kommt es zu der Rückforderung? Siegfried Schaller und sein Sohn Jürgen erhielten im Frühjahr 2020 von der Schuhbeck‘s Am Platzl GmbH den Auftrag, Bodenarbeiten im ehemaligen Restaurant des Fernsehkochs „Fine Dining im Boettners“ durchzuführen. Schuhbeck sollte die Räume vor der Übergabe an den Nachmieter in den ursprünglichen Zustand versetzen. So rissen die Willprechtszeller im Mai 2020 den alten Teppichboden heraus und verlegten einen neuen Parkettboden. Die Rechnung für die Arbeiten teilten sich der Vermieter der Immobilie, der Nachmieter und die Schuhbeck‘s Am Platzl GmbH.
Schuhbecks Anteil, rund 3500 Euro, beglich im August 2020 die Schuhbeck‘s Gewürze GmbH. Damit wurde die Rechnung aber nicht vom Auftraggeber, der Schuhbeck‘s Am Platzl GmbH, bezahlt. Deshalb beruft sich der Münchner Insolvenzverwalter über das Vermögen der Schuhbeckgruppe, Max Liebig, auf Paragraf 134 der Insolvenzordnung und fordert das Geld im Rahmen einer Insolvenzanfechtung zurück. Der Paragraf besagt, dass vom Schuldner (Schuhbeck) getätigte Zahlungen angefochten werden können, sofern diese ohne Gegenleistung getätigt wurden und dieser zum Zeitpunkt der Zahlung bereits zahlungsunfähig war. Laut Liebig war die Schuhbeck‘s Am Platzl GmbH bereits seit 2017 zahlungsunfähig. Im Fall der Schallers zahlte die Schuhbeck‘s Gewürze GmbH für die Bodenlegearbeiten. Diese hat rechtlich gesehen aber keine Gegenleistung für das Geld erhalten.

So flatterte den Willprechtszellern im Juni 2024 ein Schreiben des Insolvenzverwalters ins Haus, dass sie ihren Lohn zurückzahlen sollen. Die Bodenleger antworteten mit einem Einschreiben an Liebig, in dem sie ihn unter anderem aufforderten, ihnen die nötigen Unterlagen zu schicken, um den Sachverhalt zu prüfen. Seitdem haben die Schallers nichts mehr vom Insolvenzverwalter gehört. Stattdessen haben sie im November per E-Mail ein Schreiben eines Berliner Anwalts erhalten. Nach Schallers Kenntnis hat Liebig diesen als Wirtschaftsprüfer beauftragt, die Sache zu erörtern.
Berliner Anwalt schlägt Bodenlegern aus Willprechtszell einen Vergleich vor
Nach Schallers Angaben schlägt der Berliner Anwalt den Willprechtszellern einen „Deal“ vor. Wenn sie darauf eingingen, müssten sie nur noch 2500 Euro zurückzahlen, 1000 Euro würden ihnen somit „erlassen“. Die Bodenleger haben nicht auf diesen Vorschlag geantwortet. „Es kann ja jeder eine E-Mail schreiben und eine Forderung stellen“, so der 65-Jährige. Einen eigenen Anwalt wollen er und sein Sohn weiterhin nicht beauftragen. Da die Erfolgsaussichten bei einem Rechtsstreit offenbar gering wären, könnten die Handwerker auch auf den Anwaltskosten sitzen bleiben.
Im Scherz sagt Schaller: Eigentlich müssten sich alle Geschädigten, vor allem Lieferanten Schuhbecks, die ebenfalls Rückzahlungsaufforderungen erhalten haben, zu einem Stammtisch treffen. „Aber dafür haben wir ja gar keine Zeit“, erklärt er. Siegfried Schaller ist es aber auch wichtig zu betonen, dass es ihm in erster Linie darum geht, andere Unternehmen vor den Tücken des Insolvenzrechts zu warnen. Viele Berufskollegen und Firmeninhaber wüssten vermutlich nicht, wie die Rechtslage bei Fällen wie dem geschilderten aussieht. Insbesondere für kleine Handwerksbetriebe seien derartige Gesetze existenzbedrohend, ist sich der 65-Jährige sicher.

Auch eine Interview-Anfrage des ZDF hat Schaller kürzlich erhalten. Vor dem Hintergrund neuer Anschuldigungen an Schuhbeck plant der Fernsehsender offenbar einen Beitrag. Der frühere Starkoch sitzt seit 2023 wegen Steuerhinterziehung für drei Jahre und zwei Monate im Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft München wirft ihm neben Insolvenzverschleppung jetzt zudem vor, zu Unrecht Corona-Hilfen beantragt und Sozialversicherungsbeiträge nicht oder nicht fristgerecht gezahlt zu haben. (mit hop)
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
Registrieren sie sichSie haben ein Konto? Hier anmelden