Ohne die Katastrophe von Tschernobyl bräuchte es solche NGOs wie den Aindlinger Verein „Hilfe für Kinder aus Tschernobyl“ sicher nicht. Dass diese Initiative nach wie vor wichtige Arbeit leistet, wurde auf der Jahreshauptversammlung sehr deutlich.
Im kommenden Jahr jährt sich die Explosion im ukrainischen Kernkraftwerk von Tschernobyl zum 40. Mal. Der nach dem Super-Gau niedergegangene radioaktive Fallout verseuchte besonders die benachbarte weißrussische Region um die Großstadt Gomel. Dort gibt es mittlerweile sogar extra Friedhöfe für die an Krebs und anderen gesundheitlichen Folgen der Radioaktivität verstorbenen Kinder. Angesichts der lauter werdenden Rufe nach neuen Kernkraftwerken, kam bei der Jahreshauptversammlung des Vereins die Frage auf, was im kommenden Jahr für Veranstaltungen zu planen seien, um die tödlichen Folgen der friedlichen Nutzung der Kernenergie – auch vier Jahrzehnte nach dem Gau - zu thematisieren. Die ehemalige Kreisrätin und Pöttmeser Kulturschaffende Eva Ziegler forderte Ideen: „Wie geht man mit diesem Datum um? Was wollen, sollen, ja, was müssen wir da machen?“ Die anwesenden über dreißig Mitglieder waren sofort kreativ und verlangten eine Zusammenarbeit mit anderen Gruppierungen. Gemeinsam wolle man Filme in den Kinos zeigen, Vorträge, Konzerte und Kabarett-Abende organisieren, in Referaten und Vorträgen das Thema aufbereiten. Gerade die Geschichte der Kernkraft zeige deutlich, dass der Betrieb dieser Kraftwerke noch nie ohne gravierende Unfälle möglich war.
Die „Hilfe für Kinder aus Tschernobyl“ ist nach wie vor im Einsatz, um Familien und deren krebskranke Kinder mit Geld, Medikamenten, Rat und Tat zu unterstützen. Vorsitzende Marina Schmidberger berichtete, dass das hoch motivierte Klinikpersonal und dort vor allem die Abteilung der Hämatologie stark belastet sei – gerade auch emotional. So sei die Leiterin der Hämatologie nun selbst erkrankt, und die Krankenschwestern und -pfleger bekämen zusehends Probleme mit den Gelenken. „Exakt diese gesundheitlichen Folgen der Radioaktivität hatten führende deutsche Ärzte bereits in Gesprächen mit der verstorbenen Vorsitzenden der Hilfe für Kinder aus Tschernobyl, Heidi Bentele, prognostiziert“, sagte Marina Schmidberger.
Die Hilfsorganisation „Hilfe für Kinder aus Tschernobyl“ hat derzeit 84 Mitglieder, führt aber auch 195 Spender in ihren Listen. Die Einnahmen im Jahr 2024 betrugen etwa 47.000 Euro. Mit ihren Oster- und Weihnachtsbasaren erwirtschaftet der eingetragene Verein rund 12.000 Euro, 4000 Euro kamen über die Mitgliedsbeiträge herein, 5000 Euro über Patenschaften und an Spenden flossen 23.000 Euro in die Kasse, berichtete Schatzmeister Jörg Bentele. Die Ausgaben schrammten mit 49.500 Euro knapp an der 50-Tausender-Marke vorbei. Die größten Posten waren hier die ausbezahlten Patenschaften mit 35.000 Euro, die Medikamente mit 7000 und 2000 Euro für Reparaturen, Tankkosten, Steuer und Versicherung für das Vereinsfahrzeug. „Wir haben zwar mehr ausgegeben, als eingenommen, uns geht es aber noch lange nicht so wie dem Postsportverein Augsburg“, kommentierte der Schatzmeister die finanzielle Situation des Vereins.
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