Startseite
Icon Pfeil nach unten
Aichach
Icon Pfeil nach unten

Aichach: Trinkwasser: Wasserwerke haben große Sorgen

Aichach

Trinkwasser: Wasserwerke haben große Sorgen

    • |
    • |
    • |
    Hygienestandards und Energieeffizienz sind wichtig für die Wasserversorger. Das Bild zeigt die neuen modernen Pumpen im Wasserwerk der Magnusgruppe, die mit viel weniger Strom als ihre Vorgänger auskommen.
    Hygienestandards und Energieeffizienz sind wichtig für die Wasserversorger. Das Bild zeigt die neuen modernen Pumpen im Wasserwerk der Magnusgruppe, die mit viel weniger Strom als ihre Vorgänger auskommen. Foto: Magnusgruppe

    Immer wieder Regen: Davon gab es im vergangenen Jahr jede Menge – auch im Landkreis Aichach-Friedberg. Das war einerseits zu viel Wasser, andererseits gibt es trotzdem zu wenig. Wie passt das zusammen? Anlässlich des Weltwassertages am 22. März weisen Wasserversorger im Landkreis auf diese Diskrepanz hin. Doch sie haben noch viel mehr Probleme, was unser Trinkwasser anbelangt.

    Die Messstation Ainertshofen (Inchenhofen) registrierte 2024 in zwölf Monaten Niederschläge von 975 Millimetern pro Quadratmeter. Das waren 36 Prozent mehr als die Durchschnittsmenge. Die Böden waren so gesättigt, dass sie diese Mengen nicht mehr aufnehmen konnten. Hochwasser mit zum Teil verheerenden Überschwemmungen auch im Wittelsbacher Land waren die Folge. Trotz der vielen Regenfälle war das Jahr 2024 das wärmste seit Beginn der regelmäßigen Messungen in Deutschland. Ist das nicht ein Widerspruch?

    Der Wirtschaftskorrespondent und Journalist der Süddeutschen Zeitung, Uwe Ritzer, beschreibt die Zusammenhänge in seinem Buch „Zwischen Dürre und Flut“. Die oberen Stockwerke des Grundwassers haben sich zwar kurzzeitig gefüllt. Trotzdem sind die Trinkwasserversorger weiter in großer Sorge. Denn die Grundwasserstände in den unteren Stockwerken, aus denen sie Trinkwasser gewinnen, sinken weiter ab. Es kann Jahre und Jahrzehnte dauern, bis sich diese wieder regenerieren.

    Durch den Klimawandel steigt der Wasserverbrauch

    Doch durch den Klimawandel steigt der Wasserverbrauch. Denn je länger die Hitzeperioden dauern, umso mehr Trinkwasser wird verbraucht und je länger die Vegetationsperioden sind, umso höher ist die Pflanzenverdunstung – so sinkt die Grundwasserneubildung. Das ist nicht das einzige Dilemma der Wasserversorger. Sie sind auch mit dem Eintrag von unerwünschten Substanzen, wie Haushalts-Chemikalien, Kosmetika, Mikroplastik und Medikamentenrückständen konfrontiert. Hinzu kommt die Ewigkeitschemikalie PFAS (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen), die schon im Grundwasser, zum Beispiel in Wintersportgebieten, nachweisbar ist, weil sie etwa in Skiwachs steckt.

    Hochmoderne Wasserwerke können diese Substanzen herausfiltern. Doch das verursacht hohe Energie- und Entsorgungskosten. Zusätzlich müssen die Wasserversorger in die Erneuerung von veralteten Leitungen und Anlagen investieren. Laut einem Gutachten des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) kommen in den nächsten 20 Jahren Investitionskosten auf die kommunale Wasserwirtschaft in Höhe von 800 Milliarden Euro zu. Auch im Wittelsbacher Land investieren die Wasserversorger kräftig.

    Beim Zweckverband Weilachgruppe stehen nach Medienberichten Leitungserneuerungen bevor. Die Hardhofgruppe in Rehling hat ihr gesamtes Wasserwerk optimiert. Der größte Trinkwasserversorger im Landkreis, die Adelburggruppe mit Sitz in Landmannsdorf (Adelzhausen), hat im vergangenen Jahr für sechs Millionen Euro einen neuen, 6000 Kubikmeter fassenden Hochbehälter und einen neuen Brunnen im Eurasburger Forst in Betrieb genommen. Der Zustrom zu den Adelburg-Brunnen kommt aus den Alpen. Der Weltwassertag 2025 steht unter dem Motto „Erhalt der Gletscher“. Aus gutem Grund: Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt es in wenigen Jahren keine Gletscher mehr in den bayerischen Alpen. Was wird das für die Adelburggruppe bedeuten?

    Magnusgruppe investiert rund 15 Millionen Euro

    Den derzeit größten Investitionsbedarf mit etwa 15 Millionen Euro hat der in Oberbernbach (Aichach) ansässige Wasserversorger Magnusgruppe mit seinem neuen modernen Wasserwerk zu schultern. Doch alle Verbände haben das gleiche Ziel: die Versorgungssicherheit und die Trinkwasserqualität für künftige Jahre zu sichern. Daraus ergibt sich für alle auch das gleiche Problem: Sie müssen die Investitionen über Beiträge und Gebühren refinanzieren. Der Vorsitzende der Magnusgruppe, Rupert Reitberger, bringt es auf den Punkt: „Noch vor Jahren wollten wir den Preis von einem Euro pro Kubikmeter nicht reißen. Jetzt haben die Ersten die Zwei-Euro-Marke schon überschritten.“ Erwin Osterhuber von der Adelburggruppe und Wassermeister Josef Mayr weisen darauf hin, dass das Herausfiltern von Substanzen die Wassergebühr um mindestens 50 Prozent nach oben drücken dürfte. Dem stimmt Wassermeister Hubert Haberl von der Magnusgruppe zu.

    Und schließlich verursacht der jüngst von der „Bayernkoalition“, CSU und Freie Wähler, beschlossene Wassercent bei den Wasserversorgern Ärger und Sorgen. Sie befürchten, dass damit eine Ungleichbehandlung einhergehen könnte – mit der Folge, dass Gesellschafts- und Interessengruppen gegeneinander aufgebracht werden könnten. Reitberger hofft, dass hier nicht das letzte Wort gesprochen ist. Denn „Grundwasser ist Allgemeingut“ sind sich die Verantwortlichen der Wasserwerke einig. (rs)

    Diskutieren Sie mit
    0 Kommentare

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Registrieren sie sich

    Sie haben ein Konto? Hier anmelden