800 Kilometer Radwege, 200 Kilometer Wanderwege, 58 Schlösser, Burgen und Burgställe, sechs Wallfahrtskirchen und ein Herrschergeschlecht mit 738-jähriger Geschichte: „Eigentlich müssten wir den Landkreis in Wittelsbacher Land umbenennen“, fordert Götz Beck, Tourismusdirektor der Regio-Augsburg Tourismus GmbH, den Landrat Dr. Klaus Metzger scherzhaft auf. „Als Touristiker darf ich das sagen“, ergänzt er und hat damit die Lacher auf seiner Seite. Denn das Wittelsbacher Land hat viel zu bieten. Darüber waren sich die Vertreter von Politik, Wirtschaft und Tourismus einig. Kurzweilig, witzig und interessant war die Roadshow „Tourismus und Naherholung im Landkreis Aichach-Friedberg“ im Kreisgut.

Mit dem Landrat Klaus Metzger, der Wirtschaftreferentin Daniela Eder vom Landratsamt, dem Tourismusdirektor der Regio Augsburg Tourismus GmbH, Götz Beck, und Andreas Schmutterer, Beiratsvorsitzender der Regio Augsburg Tourismus GmbH, waren hochkarätige Referentinnen und Referenten zugegen. „Das Wittelsbacher Land ist die Wiege Bayerns“, so Metzger in seinem Grußwort, „und es ist hochattraktiv.“ Sowohl wirtschaftlich als auch touristisch sei der Landkreis gut aufgestellt. Doch er mahnt auch: „Wir dürfen uns in keinster Weise nur auf dem ausruhen, was wir haben. Wir müssen gerade als ländliche Region die Zukunft sichern und resilienter werden.“
Tourismus in Aichach-Friedberg: Die schwierige Gründung der Sisi-Straße
Der Anfang war nicht einfach, erinnert sich Götz Beck. „Wir wollten eine Sisi-Straße gründen und sind nach Wien gefahren“, erzählt er. „Da hat man uns etwas sprachlos angeschaut und gefragt, wo denn Unterwittelsbach eigentlich liege. Na ja - wenn die nicht wollen, dann machen wir es eben einfach selbst“, so der Tourismusdirektor. „Wir haben dann Wien in unsere Sisi-Straße mit aufgenommen. Dagegen wehren konnten sie sich ja nicht.“ Heute sei Wien einer der stärkten Partner - „und in der Hörzu wurden wir damals als eine der schönsten Ferienstraßen der Welt bezeichnet.“
Den Landkreis fit für die Zukunft machen und - wenn nötig - Schwierigkeiten mit ein bisschen Schlitzohrigkeit überwinden . Auch das zeichnet das Wittelsbacher Land aus.

Ein Erfolgsprojekt ist der Dasinger Bauernmarkt - und das seit 24 Jahren. „Unser Ziel war von Anfang an, Frisches aus der Region saisonal zu vermarkten“, so Franziska Meitinger, Gesellschafterin und Geschäftsführerin. In ihrem humorvollen Vortrag erinnerte sie daran, dass der Anfang nicht ganz einfach war. „Bei elf Landwirten, die das Projekt mit gegründet haben, da waren die Absprachen nicht leicht.“ Besonders stolz sei sie auf das persönliche Engagement der Landwirte - auf Sonderkulturen und Eigenveredelungen, so Tofu aus Bio-Sojabohnen oder Mohnprodukte. Ihr Wunsch ist es, dass mehr Akzeptanz für die Kosten entsteht, damit der Bauernmarkt auch in den kommenden Generationen weitergeführt werden kann.
Die Vision von Thomas Hofreiter hingegen ist noch im Entstehen. In Hofis Erlebnispark sollen 365 Tage im Jahr Kinder und Eltern Spaß haben. 30 Attraktionen plant er indoor und outdoor auf dem ehemaligen Gelände der Westerncity Dasing. Eine verrückte Marmeladenfabrik, eine Tiersafari oder auch den Herzerlflug - ein Kettenkarussell - soll es geben. Die Eröffnung ist in einem Jahr geplant. Ein Projekt, das Arbeitsplätze in der Region schafft und langfristig noch mehr Touristen bringen soll.
Hofis Erlebniswelt in Dasing: Großes Einzugsgebiet
„Wir haben im Umkreis von Dasing vier Großstädte mit über vier Millionen Einwohnern“, so Hofreiter. Auch gebe es kein vergleichbares Projekt in der Nähe. Da war die Standortfrage auch durch die Unterstützung von Gemeinde und Behörden schnell geklärt. „Sie tun was für die Gemeinde, und die Gemeinde tut etwas für Sie“, fasst es Angie Stifter von atv, die die Veranstaltung moderierte, zusammen.


Viele Anstrengungen galt es zu meistern. Schmerzlich war die Erinnerung an die Landesgartenschau in Ingolstadt, die 2020 der Corona-Pandemie zum Opfer fiel. Andreas Schmutterer, Beiratsvorsitzender der Regio Augsburg, erinnert sich: „Damals ging es auch im Bereich Tourismus ums Überleben.“ Die Region hat die Herausforderungen gemeinsam gemeistert. Stärker sei man zurückgekommen, so Schmutterer. Die Beispiele machen Mut für die Zukunft.
Gerade die Kooperation mit der Stadt Augsburg schaffe Synergien - sei es im Bereich Infrastruktur, im ÖPNV oder im Fachkräftezuzug. Ein Naherholungsgebiet vor der Haustür - wer hat das schon, erinnert Götz Beck und schließt mit der Frage: „Warum sind die Augsburger so glücklich? Natürlich, weil sie das Wittelsbacher Land direkt vor der Tür haben!“
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