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Aichach-Friedberg: Temperaturen steigen: Hitze kann für manche gefährlich werden

Aichach-Friedberg

Temperaturen steigen: Hitze kann für manche gefährlich werden

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    Die drückende Sommerhitze ist im Freien nur mit Erfrischung erträglich.
    Die drückende Sommerhitze ist im Freien nur mit Erfrischung erträglich. Foto: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

    Genau 33,9 Grad Celsius warm war es am Sonntag um 16.54 Uhr in Aichach. Es ist einer der höchsten Werte, die die Wetterstation am Deutschherren-Gymnasium (DHG) im Juli bislang gemessen hat. Am Dienstag soll es noch einmal richtig heiß werden. So sehr manche jetzt den Sommer genießen: Für manche können die hohen Temperaturen auch gefährlich werden. 

    Die Kliniken an der Paar in Aichach und Friedberg behandeln vermehrt Patienten und Patientinnen, die aufgrund der Hitze ins Krankenhaus kommen, berichtet Martin Müller, Chefarzt der beiden Notaufnahmen. Ins Krankenhaus kämen vor allem ältere, oft pflegebedürftige Menschen mit Dehydrierung. "Das kann vor allem bei der aktuell großen Hitze sehr rasch gehen, wenn die Patienten an fieberhaften Infekten leiden oder an Erbrechen und/oder Durchfall", sagt Müller. "Zudem sehen wir vermehrt Patienten aller Altersklassen mit Kollaps." Das passiere zum Beispiel bei körperlicher Betätigung in der Hitze oder nach längerem Stehen sowie bei Blutdruckentgleisung. Bei Letzterem steigt der Blutdruck in kurzer Zeit über einen bestimmten Wert an. 

    Was auf einen "Sonnenstich" hindeuten kann

    Hinweise auf einen "Sonnenstich" könnten zum Beispiel Kopfdruck beziehungsweise Kopfschmerzen oder ein hochroter Kopf sein, erklärt Martin Müller. "Ist der Patient zudem verwirrt oder gar schläfrig, muss zeitnah ein Arzt konsultiert werden." Wer kreislaufwirksame Medikamente oder Diuretika ("Wassertabletten") einnimmt, sollte sich vom Hausarzt beraten lassen, ob die Medikation während der Hitzeperiode angepasst werden muss, rät er. "Übrigens macht einem auch im Straßenverkehr die Hitze zu schaffen." Weite Fahrten sollten deshalb, falls möglich, auf die Abend- oder Nachtstunden geschoben werden. Darüber hinaus weist der Arzt auf die allgemeinen Verhaltensregeln hin: körperliche Anstrengung im Freien vor allem über die heißen Mittags- und Nachmittagsstunden vermeiden, viel trinken, Leichtverdauliches essen, an eine Kopfbedeckung und Sonnenschutz denken. Ähnliche Tipps gab die Ärztin Dr. Renate Magoley bei einem Vortrag beim Aichacher Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt (AWO) zu dem Thema. Sie empfahl auch, auf eine angemessene Kühlung des Körpers zu achten. 

    Ganz besonders wichtig ist das bei älteren Menschen, bei denen das Durstempfinden nachlässt. Im Caritas-Pflegezentrum St. Hildegard in Pöttmes weiß Leiterin Andrea Neukäufer: "Flüssigkeit ist das A und O." Der Speiseplan wird der Hitze angepasst. Kalte Suppen, Shakes, püriertes Obst sorgen für zusätzliche Flüssigkeit. Mit Trinkrunden werden die Bewohnerinnen und Bewohner zum Trinken animiert. Getränke werden mit Obststücken oder Kräutern aromatisiert. "Das sieht schön aus und schmeckt gut", sagt Neukäufer. Beliebt seien auch "Sanfter Engel" - Orangensaft mit Vanilleeis -, Eiskaffee oder ein Radler zum Abendessen. Die Beschäftigten haben ein Auge darauf, dass alle Bewohnerinnen und Bewohner genug trinken. Umschläge, die mit kühlender Pfefferminze getränkt sind, Fußbäder und Waschungen sollen helfen, den Körper abzukühlen. So komme man ganz gut über den Sommer, so Neukäufer. 

    Warum die Schule nur selten "Hitzefrei" gibt

    Peter Leischner war am Montag froh über den Regen am Morgen. Wegen der Abkühlung musste sich der Schulleiter der Grund- und Mittelschule Hollenbach an diesem Tag nicht mit der Frage befassen, ob "Hitzefrei" angebracht wäre. Am Dienstag aber könnte es sein, dass zumindest der Nachmittagsunterricht ausfällt. Zur Erfrischung gibt es einen Wasserspender in der Aula. Den Unterricht vorzeitig zu beenden, ist aber längst nicht mehr so einfach, wie es früher einmal war. "Es ist schwierig, weil viele Eltern berufstätig sind", sagt Leischner. Deshalb müsse für die Betreuung der Kinder gesorgt sein. Heuer gab es deshalb noch kein einziges Mal "Hitzefrei". 

    "Hitzefrei" bekommt auch das Personal in der Aichacher Stadtverwaltung nicht. Klimatisiert sind bei der Stadt nur der Sitzungssaal, das Trauungszimmer und zwei Büros, die unterm Dach im Verwaltungsgebäude I liegen. Weil sich die übrigen Räume im Rathaus und den Verwaltungsgebäuden und die angemieteten in der Sparkasse sehr aufheizen, hat die Stadt die Öffnungszeiten im Juli und August um eine Stunde verkürzt. Weniger gearbeitet wird deshalb nicht, sagt der stellvertretende Hauptamtsleiter Gerhard Wintermayr. Die Beschäftigten könnten aber jetzt schon ab 6 Uhr morgens anfangen und entsprechend früher heimgehen. Das werde von einigen Frühaufstehern gern genutzt. 

    Im Juni war es in Aichach vergleichbar heiß

    Vergleichbar heiß wie am Sonntag war es heuer bislang nur am 22. Juni, sagt Wolfgang Jentsch. Der Lehrer, mittlerweile in Pension, betreut die Arbeitsgemeinschaft Wetterstation am DHG "von Anfang an", das heißt, seit mehr als 35 Jahren. Mit derzeit zwölf Schülerinnen und Schülern beobachtet er täglich das Wetter. Dass es am Sonntag nicht mittags, sondern erst am späten Nachmittag am heißesten war, überrascht ihn nicht. Es dauert, bis sich die Erde erhitzt hat, erklärt er. Eine Prognose, wie heiß es am Dienstag wird, gibt er nicht ab. Laut Wetterbericht werde es 33 Grad. 

    Da hilft am besten ein Sprung ins kalte Nass: Weil sich die Personalsituation dort entspannt, weitet das Aichacher Freibad ab nächster Woche seine Öffnungszeiten aus. Bis auf Montag ist das Freibad dann täglich auch am Vormittag geöffnet.

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