Am Frankfurter Flughafen darf es vorerst keine Nachtflüge geben. Das hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel nach Mitteilung vom Dienstag entschieden. Unter dem früheren Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) wurden im Planfeststellungsbeschluss noch Nachtflüge vorgesehen, und zwar zwischen 23 und fünf Uhr insgesamt 17 Starts und Landungen. Das wurde nun verboten. Gegen die Entscheidung des VGH ist nach dieser Mitteilung kein Rechtsmittel möglich.
Auseinandersetzung um neue Landebahn
In den Auseinandersetzungen um die neue Landebahn Nordwest, die nach bisheriger Planung am 21. Oktober offiziell in Betrieb genommen werden soll, hatte die Landesregierung den Gegnern ursprünglich ein striktes Nachtflugverbot versprochen. Koch wich davon ab. Vor allem die Lufthansa, Hauptkunde in der Nacht, fürchtet ein striktes Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen.
Eineinhalb Wochen, bevor der Flughafen seine neue Landebahn einweihen wird, gab das Gericht damit den Eilanträgen von Anwohnern aus den angrenzenden Gebieten Rüsselsheim und Offenbach statt. Sie hatten sich für ein Nachtflugverbot eingesetzt.
Deutschlands wichtigstes Drehkreuz für den Luftverkehr
Der Flughafen in Frankfurt am Main ist Deutschlands wichtigstes Drehkreuz für den Luftverkehr. Im Sommerflugplan 2011 standen nach Angaben des Betreibers Fraport allein 4585 Flüge zu 298 Zielen pro Woche im Passagier-Linienverkehr und 250 Flüge pro Woche im Fracht-Linienverkehr. Im vergangenen Jahr wurden 464 432 Flugbewegungen registriert und durchschnittlich 150 000 Passagiere pro Tag abgefertigt. Im Schnitt saßen 123 Passagiere in jeder Maschine.
In diesem Jahr steuert FRA - so die Kennung der Luftfahrtorganisation IATA - auf einen neuen Passagierrekord zu: Ende August lagen die Zahlen um 7 Prozent über dem Wert aus dem Vorjahr. 2010 wurden 53 Millionen Fluggäste gezählt. Die leicht lahmende Weltwirtschaft wird wohl dazu führen, dass das Frachtvolumen von 2010 nicht wieder erreicht wird.
88,3 Millionen Passagiere für das Jahr 2020 prognostiziert
In nur zweieinhalb Jahren entstand die neue Landebahn Nordwest, die am 21. Oktober von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) offiziell in Betrieb genommen werden soll. Mit der zusätzlichen Piste kann die Zahl der Flugbewegungen pro Jahr nach Angaben von Fraport auf mehr als 700 000 steigen - damit will der Flughafen den für 2020 prognostizierten 88,3 Millionen Passagieren gerecht werden. dpa, afp