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FC Bayern: Holger Badstuber: Optimismus auf Krücken

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Holger Badstuber: Optimismus auf Krücken

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    Holger Badstuber hat noch einen langen Weg vor sich.
    Holger Badstuber hat noch einen langen Weg vor sich. Foto: Caroline Seidel (dpa)

    Die Fußballwelt liegt Franck Ribéry, 30, zu Füßen: Sämtliche Pokale mit dem FC Bayern München abgeräumt, Frankreich nach Brasilien geführt, die Zuschauer mit seinem Zauber verzückt. Mehr Glanz und Gloria geht nicht. Warum hingegen das Pech den so braven Holger Badstuber, 24, getroffen hat, wissen die Götter. Kein Fußballspiel, zwei Kreuzbandrisse, vier Operationen, zwölf Monate Quälerei in der Reha.

    Holger Badstuber hat zum Interview das Reha-Zentrum in Donaustauf verlassen und sich in der Münchner Agentur „Avantgarde“ verabredet. Der 1,90-Meter-Athlet trägt eine schwarze Baseballkappe, ein schwarzes T-Shirt, eine graue Jogginghose – und bewegt sich auf Krücken. „In der nächsten Woche darf ich sie wegwerfen“, sagt Badstuber. Die Krückenzeit endet fast auf den Tag genau nach einem Jahr, als seine Leidenszeit begann. Am 1. Dezember 2012, beim Bundesliga-Gipfel Bayern – Dortmund (1:1), hatte sich Badstuber im Zweikampf mit Mario Götze derart unglücklich das rechte Knie verdreht, dass das vordere Kreuzband riss.

    Genesungsformel viel zu zuversichtlich

    „Kreuzbandriss = Operation = sechs Monate Pause = danach ist alles wieder gut“. Badstuber kann über eine solch optimistische Formel nur den Kopf schütteln. Diese weitverbreitete Meinung nannte der Augsburger Facharzt für Orthopädie, Dr. Ulrich Boenisch, 52, in einem Gespräch mit der Zeit „irrig“. Der Operateur hatte gerade einem prominenten Patienten, Sami Khedira, ein gerissenes Kreuzband ersetzt. Nur eine Frage bewegte nach dem Drama von Mailand die Republik: Wird der Real-Star bis zur WM im Juni wieder fit?

    Langzeit-Rekonvaleszent Badstuber, der nun schon seit über einem Jahr an seinem kaputten Knie laboriert, setzt sich nicht unter WM-Druck. Er sagt im FOCUS-Interview: „Brasilien ist für mich in weiter Ferne. Ich freue mich über jeden Tag, an dem es ein wenig aufwärtsgeht, und glaube daran, dass ich wieder auf mein altes Niveau kommen kann.“ Unbeirrt von Boenischs Erfahrung, dass „nur 60 bis 70 Prozent“ das schaffen. Wann er wieder fit sein werde, könne er, Badstuber, allerdings nicht sagen. „Entscheidend ist, dass das Knie tipptopp wird, seine alte Stärke erlangt. Ich habe seit einem Jahr genug Geduld bewiesen und werde diese auch weiter aufbringen.“

    Es war am 23. April, als der FC Bayern den FC Barcelona mit 4:0 deklassierte. Badstuber saß auf der Pressetribüne. Er hatte bereits eine zweite Operation im März hinter sich, bei der Narbengewebe entfernt werden musste. Auf dem Rückflug vom Rückspiel in Barcelona (1. Mai), wo er lediglich sein Reha-Programm durchgezogen hatte, wurde das rechte Knie wieder dick.

    Dann der Schock: Eine CT-Untersuchung beim Mannschaftsarzt des FC Bayern und der Nationalmannschaft, Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, ergab eine Reruptur: Das neue Kreuzband war wieder gerissen. Wieso und wodurch, wisse er nicht, sagt Badstuber. Schon am nächsten Tag flog er nach Denver, um sich in Vail, Colorado, nun vom Spezialisten Dr. Richard Steadman, 76, operieren zu lassen. Termin: 18. Mai. Zunächst wurde das wieder gerissene Band entfernt. Die Schraubenlöcher im Knochen mussten erst zusammenwachsen. Die eigentliche Implantation konnte daher erst Ende September vorgenommen werden.

    Das Champions-League-Finale sah Holger Badstuber vom Krankenbett aus

    Als der FC Bayern am 25. Mai in London gegen Dortmund das Champions-League-Finale gewann, sah Holger Badstuber vom Krankenbett in Vail aus zu. „Komisch, aber durch die räumliche Entfernung war für mich auch das Endspiel weit weg. Das US-Fernsehen schaltete mit dem Schlusspfiff ab. Vom Jubel und Trubel danach habe ich nichts mitbekommen.“

    Als zweites neues Kreuzband implantierte Steadman ein Drittel der Patellasehne aus dem linken Knie. Badstuber rollt das linke Hosenbein hoch und zeigt die Narbe. Auf die neue amerikanische Methode, das Kreuzband eines Toten zu verwenden, hatte Steadman auf Bitten Müller-Wohlfahrts verzichtet. Ethische Gründe. Die tägliche Schinderei von neun bis 17 Uhr in Donaustauf zeigt Wirkung: „Das Knie fühlt sich jetzt schon viel besser an als in dieser Phase nach der ersten Operation.“

    Sein Schicksalsjahr hat Holger Badstuber dank seines Willens und seines Optimismus wacker durchgestanden. Mit moralischer Unterstützung des FC Bayern, der im Februar den Vertrag bis 2017 verlängerte. Badstuber sagt, das Jahr habe aus ihm einen anderen Menschen gemacht. „Die Zeit war bitter, aber auch sehr lehrreich.“

    Den Gedanken an ein drohendes Ende seiner Karriere habe er nicht an sich herangelassen. „Ich habe jetzt ein anderes Denken. Ich sehe das Leben und den Hype im Fußball mit anderen Augen.“ Der Kampf ums Knie hat einen positiven Nebeneffekt. Holger Badstuber sagt: „Ich bin vom Kopf her jetzt stärker als vor der Verletzung.“

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