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Homophobie in Europa: EU-Studie: Homosexuelle leben in Angst

Homophobie in Europa

EU-Studie: Homosexuelle leben in Angst

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    Angst unterm Regenbogen: Noch immer leiden viele Homosexuelle unter Diskriminierung.
    Angst unterm Regenbogen: Noch immer leiden viele Homosexuelle unter Diskriminierung. Foto: Michael Reichel/Archivbild (dpa)

    Sie werden beleidigt, geschlagen, bekommen keine Wohnung oder keine Arbeit: Homosexuelle sind in Europa noch immer Opfer von Diskriminierung. Politiker und Verbände suchen nach Lösungen.

    Studie zu Homosexualität in Europa in Den Haag vorgestellt

    Die Regenbogenfahne ist weltweit das Zeichen der Homosexuellen-Bewegung. Doch für Millionen Europäer gilt das Symbol für die bunte, tolerante Gesellschaft nicht. Sie werden ausgegrenzt und zu Opfern, nur weil sie anders lieben als die meisten anderen Frauen und Männer. Sie sind lesbisch, schwul, bi- oder transsexuell.

    Das belegt die bisher größte Studie zu diesem Thema der EU-Grundwerte-Agentur, die auf der europäischen Konferenz für die Rechte von Homosexuellen in Den Haag präsentiert wurde. Die Ergebnisse überraschten dort keinen. "Angst ist unser ständiger Begleiter", sagte ein Vertreter des europäischen Schwulen- und Lesbenverbandes.

    Studie zum Thema Homosexualität soll aufrütteln

    Die Studie müsse alle aufrütteln, betonte EU-Kommissarin Viviane Reding. "Diskriminierung und Gewalt gegen Homosexuelle ist eine Verletzung der Menschenwürde und unvereinbar mit den europäischen Grundwerten."

    Doch was kann man dagegen tun? Zum ersten Mal befassten sich Minister, Abgeordnete, Vertreter des Europarates und von Menschenrechtsorganisationen aus der EU zwei Tage lang mit dieser Frage. Die Anwesenheit der niederländischen Königin Máxima beim offiziellen Dinner verlieh diesem Gipfel besonderen Glanz. Die rund 700 Delegierten wollten ein Zeichen setzen, dass Intoleranz nicht länger akzeptiert werden darf.

    EU ruft zum Kampf gegen Homophobie auf

    Die Homo-Ehe weltweit

    Frankreich: Nach einer Mammutdebatte stimmt das Parlament im Februar 2013 für die Einführung der Homo-Ehe, die ein Adoptionsrecht einschließt. Steuerlich sind schwule und lesbische Paare den heterosexuellen Ehepartnern gleichgestellt - sofern sie einen zivilen Pakt geschlossen haben.

    Deutschland: Bei uns können gleichgeschlechtliche Paare seit 2001 in einer "Eingetragenen Lebenspartnerschaft" leben. Bislang dürfen sie zusammen keine Kinder adoptieren. Wie das Bundesverfassungsgericht nun entschied, dürfen Homosexuelle jedoch das Adoptivkind ihres Lebenspartners auch adoptieren.

    Österreich: Seit 2010 gilt das "Eingetragene Partnerschaft-Gesetz". Die Partner können danach allenfalls einen Doppelnamen führen. Adoptionen - auch die eines Stiefkindes - sind bislang verboten.

    Spanien: Seit 2005 können spanische Bürger des gleichen Geschlechtes nicht nur heiraten, sondern auch Kinder adoptieren. Bis heute dürften sich zwischen 20.000 und 30.000 homosexueller Spanier das Ja-Wort gegeben haben. Steuerlich gesehen gibt es keine Unterschiede zur Ehe zwischen Mann und Frau.

    England: Anfang Februar 2013 verabschiedete das Unterhaus einen Gesetzesentwurf, der die Homo-Ehe erlauben soll. Das Oberhaus muss den Entwurf noch prüfen. Seit 2005 können homosexuelle Paare einen "Zivilpakt" eingehen. Steuerlich sind sie nicht benachteiligt.

    Tschechien: Hier können gleichgeschlechtliche Paare seit 2006 eine eingetragene Partnerschaft eingehen. Seither dürften schätzungsweise knapp 1400 Paare von dem Angebot Gebrauch gemacht haben. Steuerlich sind sie schlechter gestellt als Ehepaare.

    Dänemark: In Dänemark dürfen Homosexuelle seit 2012 auch kirchlich heiraten. Auch amtliche werden sie "Ehepaare" genannt und sind völlig gleichgestellt.

    Niederlande: Durch die Heirat erhalten homosexuelle in den Niederlanden die gleichen Rechte und Pflichten wie heterosexuelle Paare.

    Italien, Polen, Russland: Gleichgeschlechtliche Partnerschaften werden in diesen Ländern bislang nicht anerkannt.

    Jamaika: Auf der Insel ist man meilenweit von Regelungen homosexueller Partnerschaften entfernt. Geschlechtsverkehr unter gleichgeschlechtlichen Partnern ist strafbar. Die tatsächliche Strafverfolgung ist allerdings uneinheitlich.

    USA: Derzeit prüft der Supreme Court, ob ein Gesetz, das die Homo-Ehe verbietet, verfassungswidrig ist. Präsident Obama spricht sich für die gleichgeschlechtliche Ehe aus, die in einzelnen Bundesstaaten legal ist.

    Australien: Das Parlament sprach sich 2012 deutlich dafür aus, das Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe beizubehalten. Auf bundesstaatlicher Ebene gibt es teilweise schon eingetragene Partnerschaften.

    Saudi-Arabien: Hier sind Homosexuelle nicht einmal ihres Lebens sicher. Denn die islamische Scharia findet im Strafrecht Anwendung. Für Homosexuelle Handlungen werden Freiheitsentzug, Stockschläge und teilweise die Todesstrafe verhängt - das liegt im Ermessen des Richters.

    Japan: In dem ostasiatischen Inselstaat gibt es weder eingetragene Partnerschaften noch Ehen für Homosexuelle. In der japanischen Gesellschaft wird die Liebe zwischen Gleichgeschlechtlichen tabuisiert.

    China: Im Reich der Mitte sträubt man sich gegen eingetragene Partnerschaften und Homo-Ehen. Vereinzelt versuchen Politiker dies zu ändern. (mit dpa)

    Nur wer soll dafür sorgen? Die Minister wiesen auf die EU: Sie solle die Mitgliedstaaten zur rechtlichen Gleichstellung und zu Gesetzen gegen Diskriminierung von sexuellen Minderheiten drängen. Dazu riefen elf Minister unter anderem aus Polen, Großbritannien, Finnland und den Niederlanden auf.

    Das tue die EU-Kommission bereits, versicherte Reding. Und das werde sie weiterhin tun. Doch sie wies dieselben Minister darauf hin, dass sie auch selbst in ihren eigenen Ländern ihre Stimme erheben müssten.

    "Regenbogen Index": Intoleranz ist groß

    Doch auch die besten Gesetze reichen nicht aus. Das belegen zwei weitere Studien, die ebenfalls in Den Haag vorgelegt wurden. Die Kluft zwischen rechtlicher Gleichstellung und gesellschaftlicher Intoleranz zeigt der "Regenbogen Index" des internationalen Schwulen- und Lesbenverbandes auf. In Polen, Litauen und Bulgarien etwa verurteilen mehr als die Hälfte der Bürger Homosexualität.

    Homosexualität in Europa: In der Schule beginnt die Angst

    Selbst die Niederlande, die weltweit Vorreiter bei der rechtlichen Gleichstellung von Homosexuellen sind, sind kein Regenbogen-Paradies. 93 Prozent der Niederländer akzeptieren Homosexualität. Zumindest sind das die wissenschaftlich belegten Zahlen. Die Realität sieht oft erschreckend anders aus. "In Amsterdam trauen sich viele schwule und lesbische Paare nicht, Hand in Hand auf der Straße zu gehen", berichtete die Beigeordnete der Stadt, André van Es.

    Nur fünf Prozent der niederländischen Schüler haben nichts gegen homosexuelle Lehrer oder Mitschüler. Und gerade in den Schulen beginnt für viele das Leben in Angst. "Sie machen sich unsichtbar", sagte die EU-Kommissarin Reding, "das ist ihre Überlebensstrategie". Annette Birschel, dpa

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