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Landtagswahlen 2016: Darum ist die AfD in den sozialen Netzwerken so erfolgreich

Landtagswahlen 2016

Darum ist die AfD in den sozialen Netzwerken so erfolgreich

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    Facebook ist für die AfD die mit Abstand wichtigste Plattform.
    Facebook ist für die AfD die mit Abstand wichtigste Plattform. Foto:  Jens Buettner (dpa)

    Montag, 14. März 2016, der Tag nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Die Alternative für Deutschland (AfD) postet auf Ihrem Facebook-Account ein Bild, auf dem steht: "Fulminanter Wahlsieg in den drei Bundesländern". Das stimmt natürlich nicht. In keinem der genannten Bundesländer wurde die Protest-Partei stärkste Kraft und hat die Wahl entsprechend gewonnen.

    Das sind die Ziele der AfD

    Währung: Die Alternative für Deutschland fordert die Abschaffung des Euros. Stattdessen soll jedes Land wieder eine eigene Währung bekommen. Im Parteiprogramm heißt es: "Die Wiedereinführung der DM darf kein Tabu sein."

    Europa: Die AfD setzt sich für eine Reform der EU ein. Sie fordert vor allem, dass weniger in Brüssel entschieden wird und mehr in Berlin.

    Demokratie: Auch Volksabstimmungen gehören zu den Forderungen der AfD. Die Partei wünscht sich nach eigenen Angaben allgemein mehr direkte Demokratie.

    Finanzen: Die AfD unterstützt den Kurs der Bundesregierung, Schulden abzubauen. Bei den Steuern fordert die Partei vor allem ein verständlicheres System. Sie schreibt in ihren Leitlinien: "Der Bürger muss verstehen können, warum er in welcher Höhe besteuert wird."

    Rente: Die Höhe der Rente solle gesetzlich garantiert werden. Die AfD bezeichnet vor allem die Eurokrise als Gefahr für die Altersvorsorge.

    Bildung: Die AfD wirbt beim Schulsystem für einheitliche Standards in ganz Deutschland. An den Universitäten solle die Rückkehr zu Staatsexamen und zum Diplom möglich sein.

    Energie: Die Energiewende unterstützt die AfD zwar - aber nicht deren Finanzierung. Sie halte es für unfair, Sonnen- und Windenergie über die Strompreise zu fördern. Stattdessen solle das Geld dafür aus den allgemeinen Steuereinnahmen kommen.

    Integration: Die AfD sieht nach eigenen Angaben die Zuwanderung in das deutsche Sozialsystem als Gefahr. Sie wolle das mit neuen Regeln unterbinden. Ernsthaft politisch verfolgte Menschen hätten aber ein Recht auf Asyl und sollten auch arbeiten dürfen.

    Die Kommentatoren unter dem Bild stören sich nicht an dieser Falschmeldung. "Die Merkel hat gestern ihr persönliches Waterloo erlebt," schreibt einer, "Ich freu mich richtig für AFD. Die haben richtige Ohrfeigen verteilt," ein anderer. Bis zum Mittag stieg die Zahl der Kommentare auf fast 600, beinahe 800 Facebook-Nutzer haben den Post der AfD geteilt.

    Die rege Interaktion ist kein neues Phänomen: "Diese Partei würde es ohne Facebook nicht geben, ihr Erfolg beruht auf dem sozialen Netzwerk," sagt der Politikberater und Blogger Martin Fuchs. Er erforscht seit Jahren die Performance der AfD bei Facebook, Twitter, Google plus und Co. Sein Urteil: Die AfD ist online weit erfolgreicher als die übrigen Parteien. "Sie schaffen es, mit einem einzigen Facebook-Post bis zu einer Million Menschen zu erreichen. Die Themen, die sie setzen, gehen sehr schnell viral," so Fuchs.

    Dieser Erfolg beruht laut Fuchs einerseits auf strukturellen Gründen. Etablierte Parteien sind sehr vorsichtig mit ihren öffentlichen Äußerungen, verfolgen exakt ausgearbeitete Strategien, die von vielen Gremien abgesegnet werden müssen. Die Antwort auf eine Nutzer-Anfrage zu einem Thema, zu dem noch keine offizielle Parteilinie besteht, kann da schon mal Tage und Wochen dauern. Anders die AfD: Die Partei ist noch in ihrer Findungsphase, hat den Charakter einer Protestbewegung.

    Warum die AfD bei Facebook erfolgreich wurde

    Laut der Forschungen von Fuchs kümmert sich ein einziger, etwa 60-jähriger Mann um den Facebook-Account der Bundespartei. Er handelt weitgehend autonom, die Hierarchien sind flach, entsprechend schnell ist die Partei online handlungsfähig. Auch die kleinen Parteiverbände auf lokaler und regionaler Ebene sind dadurch handlungsfähig und oft deutlich aktiver als die entsprechenden Plattformen der etablierten Parteien - sofern diese auf Mikro- und Mesoebene überhaupt existieren.

    Mögen und Teilen: Die AfD ist erfolgreich auf der Internetplattform Facebook vertreten.
    Mögen und Teilen: Die AfD ist erfolgreich auf der Internetplattform Facebook vertreten. Foto: Friso Gentsch/dpa

    Andererseits ist die AfD ein Online-Hit, weil die Partei auf Facebook ohnehin vorhandene Diskurse aufgreift und sie mit ihrem Stempel versieht. "Die Stimmungslagen sind schon vorhanden, die AfD springt nur drauf und besetzt sie," sagt Alexander Hensel vom Institut für Demokratieforschung an der Georg-August-Universität in Göttingen. "So muss die Partei nur einen geringen Aufwand betreiben," so der Forscher. Gerade in den sozialen Netzwerken geistern zahlreiche Debatten, die beispielsweise um das Hauptwahlkampfthema der AfD kreisen, den aktuellen Asylzuzug. Entdecke die AfD eine solche - und sei es nur ein polemisches Bild oder eine fragwürdige Grafik - poste sie das auf ihrem Account und fordere die User offensiv zum Teilen und zur Interaktion auf. Gerade letzteres versprühe in den Augen vieler Nutzer einen basisdemokratischen Charme und vermittele das Gefühl: Die hören zu, die kümmern sich.

    Auf Facebook hat sich die AfD damit eine Gegenöffentlichkeit zu der von ihr gescholtenen sogenannten Lügenpresse aufgebaut. Die Partei meidet die Medien, die ihr nicht wohlgesonnen sind. Stattdessen nutzt sie den Irrglauben vieler Nutzer, Facebook würde Nachrichten verbreiten. Soziale Netzwerke fungieren allerdings nicht als neutraler News-Vermittler, sondern preisen dem jeweiligen Nutzer nur auf seine Präferenzen zugeschnittene Informationen an - damit dieser möglichst lange auf Facebook verweilt.

    Was die etablierten Parteien von der AfD lernen können

    So bewegen sich der Mittler AfD und seine Follower stets in ihrer eigenen Wahrnehmungsblase. Sie befruchten sich gegenseitig mit Geschichten, die deren ohnehin schon vorhandenen Meinungen und Weltbilder transportieren und bestätigen. Ein Teufelskreis - mit entsprechenden Protagonisten, wie die taz analysiert hat: "Social Media ist der Lieblingsspielort von Nazis, Islamisten und Verschwörungstheoretikern, denn Medien schenken ihnen meist – wenn überhaupt – nur kritische Aufmerksamkeit." Die AfD fischt in diesem Dunstkreis nach Fans und Followern.

    Politikberater Fuchs sieht darum einigen Nachholbedarf bei den etablierten Parteien, um ähnlich viel Beachtung im Netz wie die AfD zu finden: "Ein immer höherer Bevölkerungsanteil nutzt das Internet zur politischen Meinungsbildung." Zudem müssten sich Union, SPD und Co. von ihrem Denken in Wahlkampfperioden verabschieden. Im Netz sei Dauerpräsenz gefragt, so Fuchs. Die wird nötig sein. Denn nach seiner Einschätzung wird die AfD versuchen, den Islam als nächstes großes Thema zu besetzen. Was werden die anderen Parteien der AfD dann entgegenzusetzen haben?

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