Es ist nicht Schneewittchen, sondern Silvio Berlusconi. Zwei italienische Künstler mischen derzeit die Kulturszene in Rom auf. Sie haben eine makabre Kunstharzfigur des ehemaligen Ministerpräsidenten als Leiche in einem Glassarg ausgestellt. Das Werk trägt den doppeldeutigen Titel: "Der Traum der Italiener" Antonio Garullo und Mario Ottocento zeigen das Exponat in einer nur dreitägigen Ausstellung im Palazzo Ferrajoli genau gegenüber dem italienischen Regierungssitz.
Mit aufgeknöpfter Hose und Micky-Maus-Pantoffeln
Auf den ersten Blick wirkt der künstliche Berlusconi sehr würdig. Wie Lenin oder Mao in ihren Mausoleen. Mit geschlossenen Augen und im maßgeschneiderten Anzug ruht der "Cavaliere" auf dem dunkelroten Totenbett. Doch bei näherer Betrachtung verraten sein entspanntes Lächeln, die Hand an der aufgeknöpften Hose, der zerwühlte Zustand von Hemd und Krawatte und schließlich die Micky-Maus-Pantoffeln an den Füßen des langjährigen Regierungschefs den Hintergedanken der Künstler. Silvio Berlusconi - der "Cavaliere"
Pantoffeln stehen für Sex-Affären Berlusconis
Die Micky-Maus-Pantoffeln sollen "die schmierenkomödiantische Seite Berlusconis" versinnbildlichen, der fast 20 Jahre lang die italienische Politik dominierte, zuletzt aber vor allem durch seine Sex-Affären für Schlagzeilen sorgte. Garullo und Ottocento erklärten: "Wir dachten an die Vorstellung, die wir als Zuschauer uns in den vergangenen Jahren von unserem Staatslenker machten". Ihr Werk sei deshalb auch Symbol des "früheren und möglicherweise auch künftigen Personenkults" um den heute 75-Jährigen. AZ/afp