Im Schneckentempo hat das im Indischen Ozean havarierte Kreuzfahrtschiff "Costa Allegra" am Mittwoch seinen Weg in Richtung der Seychellen fortgesetzt. Im Schlepptau eines Tunfischtrawlers und zweier weiterer Kähne sollte dass manövrierunfähige Schiff mit mehr als tausend Menschen an Bord am Donnerstag den Hafen der Hauptinsel Mahé erreichen, wie ein Küstenwachesprecher am Mittwoch mitteilte.
Havariertes Kreuzfahrtschiff soll am Donnerstag Hafen anlaufen
Brände auf Passagierschiffen
Feuer an Bord gehört zu den größten Gefahren für Passagierschiffe. Wie im Fall der «Costa Allegra» gingen viele Unfälle jedoch relativ glimpflich aus.
Mai 2009: Die 526 Passagiere der italienischen Fähre "Vincenzo Florio" werden wegen eines Feuers an Bord bei Palermo in Sicherheit gebracht. Der Brand war auf dem Parkdeck ausgebrochen.
Mai 2010: Bei einem Hafenaufenthalt in der westnorwegischen Stadt Eidfjord am Hardangerfjord bricht auf dem Kreuzfahrtschiff «Deutschland» ein Brand aus. Alle 364 Reisenden, darunter 334 Deutsche, sowie der größte Teil der Besatzung werden an Land gebracht. Es gibt keine Verletzten. Der Luxusliner ist durch die ZDF-Serie «Das Traumschiff» berühmt geworden.
Oktober 2010: Die Ostsee-Fähre «Lisco Gloria» mit 236 Menschen an Bord gerät vor der Insel Fehmarn in Brand. Alle Passagiere und die Crew werden gerettet.
November 2010: Auf der Ostseefähre «Mecklenburg-Vorpommern» zwischen Rostock und Trelleborg in Schweden löst ein technischer Defekt an einem Kleinbus auf dem Autodeck ein Feuer aus. Die 136 Passagiere kommen mit dem Schrecken davon. Wenige Tage zuvor brannte es auf der Fähre «Pearl of Scandinavia» auf dem Weg von Oslo nach Kopenhagen vor der südschwedischen Küste - auch dort auf dem Autodeck. Keine Verletzten.
September 2011: Zwei Besatzungsmitglieder kommen bei einem Brand auf der norwegischen Hurtigruten-Fähre «Nordlys» ums Leben. Die 207 Passagiere an Bord hatten Glück, weil das Feuer kurz vor dem Anlegen im Hafen von Ålesund ausbrach und das Schiff daher schnell zum Kai bugsiert werden konnte. Es gibt 16 Verletzte.
"Das Schiff kommt langsam, aber es kommt", sagte der Sprecher. Der französische Trawler "Trevigon" und zwei Schleppkähne von den Seychellen zogen den nach einem Brand im Maschinenraum manövrierunfähigen Kreuzfahrer mit einer Geschwindigkeit von sechs Knoten (elf Stundenkilometer) durch ruhige Gewässer. Am Donnerstag gegen 05.00 Uhr europäischer Zeit sollte die "Costa Allegra" in Mahé einlaufen.
Bis dahin stand den Passagieren und Crewmitgliedern bei schwüler Hitze eine dritte Nacht auf Deck unter freiem Himmel bevor, weil die Klimaanlage durch den Brand außer Betrieb gesetzt wurde und die Temperaturen in den Kabinen damit unerträglich wurden. Nach Angaben der Reederei Costa Crociere wurden sie per Hubschrauber mit Essen, Taschenlampen und weiteren dringend benötigten Gütern versorgt.
"Costa Allegra" wird von Fischtrawler geschleppt
Das Kreuzfahrtschiff war am Montag mit 636 Passagieren und 413 Besatzungsmitgliedern an Bord auf dem Weg von Madagaskar zu den Seychellen, als im Maschinenraum ein Brand ausbrach. Das Feuer konnte zwar gelöscht werden, doch fiel der Strom aus, das Schiff trieb manövrierunfähig auf dem Meer und musste einen Notruf absetzen.
Die Havarie erregte internationale Aufmerksamkeit, weil die "Costa Allegra" zur selben Reederei gehört wie die "Costa Concordia", die vor sechs Wochen vor der Toskana-Küste auf einen Felsen auflief und kenterte. Bei dem Unglück starben 32 Menschen. AZ/afp