Einsatzkräfte der Polizei haben am Dienstagmorgen neun Objekte und Wohnungen in Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Belgien durchsucht. Anlass für die Razzien waren laut Bundesanwaltschaft und Staatsanwaltschaft Stuttgart Vorbereitungen für eine "schwere staatsgefährdende Gewalttat" und Geldwäsche.
Die Durchsuchungen im Großraum Stuttgart und in Belgien richteten sich gegen zwei Tunesier. Laut Behörden sollen sie sich gezielt Informationen und Gegenstände für Sprengstoffanschläge mit ferngesteuerten Modellflugzeugen beschafft haben. Die Bundesanwaltschaft spricht von einem radikal-islamistischen Hintergrund.
Durchsuchungen auch in München
Zudem wurden in Stuttgart und München - konkret im Olympiadorf und in Dachau - die Wohnungen von vier Kontaktpersonen der beiden Beschuldigten durchsucht. Wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart mitteilt, ging es hierbei um die Finanzierung des militanten Jihad. Gegen eine fünfte Person wird wegen des Verdachts der Geldwäsche ermittelt.
Wie die Bundesanwaltschaft mitteilt, sei das Ziel der Durchsuchungen gewesen, Beweismittel für etwaige Anschlagspläne und -vorbereitungen sowie Erkenntnisse über die Finanzierungswege des radikal-islamistisch Terrorismus zu erlangen. Beamten stellen seit den frühen Morgenstunden unter anderem technisches Gerät sowie Unterlagen sicher.
Spezialeinsatzkommandos stürmen Wohnungen
Bereits am Morgen hatte der Südwestrundfunk (SWR) gemeldet, dass Islamisten in Deutschland möglicherweise ein Attentat mit ferngesteuerten Modellflugzeugen geplant haben. Da die Polizei in einigen Wohnungen Waffen befürchtete, seien die Objekte im Raum Stuttgart und in München durch Spezialeinsatzkommandos gestürmt worden.
Bilder der Nachrichtenagentur dpa zeigen einen Mann, der in Fellbach bei Stuttgart in Handschellen von Polizisten abgeführt wird. Eine offizielle Festnahme habe es aber nicht gegeben, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft.
Bei den Ermittlungen handelt es sich um zwei getrennte Verfahren. Die Beschuldigten kennen sich aber, bestätigte eine Sprecherin der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Auf die Spur sollen die Ermittler den Männern wegen auffälliger Geldüberweisungen gekommen sein.
Innenminister Herrmann: Großes Ermittlungsverfahen des Generalbundesanwalt
Chronologie: Geplante Anschläge mit Modellflugzeugen
Februar 2003: Bei einer Explosion in Gaza-Stadt kommen sechs Mitglieder der radikalislamischen Hamas ums Leben. In einem Flugblatt der Hamas hieß es, die Männer hätten ein ferngesteuertes Modellflugzeug gebaut, um Ziele in Israel anzugreifen. Palästinensische Sicherheitskreise vermuteten, die dafür vorgesehene Bombe sei vorzeitig explodiert.
Juni 2003: Im Irak werden fünf dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehende Männer festgenommen. Wie britische Zeitungen berichten, wurden dabei Modellhubschrauber sichergestellt, die nach Angaben irakischer Behörden zum Transport chemischer Waffen gedacht waren.
Einen Sprengstoffanschlag mit einem Modellflugzeug soll in den 70er Jahren angeblich schon die Rote Armee Fraktion (RAF) auf Franz Josef Strauß geplant haben. Das berichteten die Kinder des damaligen CSU-Vorsitzenden im September 2008.
August 2012: Drei mutmaßliche Al-Kaida-Terroristen aus der Türkei und Tschetschenien werden in Spanien festgenommen. Laut Polizei wollten sie vermutlich in der Hafenstadt Algeciras einen Sprengsatz von einem Modellflugzeug auf ein Einkaufszentrum abwerfen. In einem sichergestellten Video war ein entsprechender Test zu sehen.
November 2012: Ein 27-jähriger US-Amerikaner muss 17 Jahre ins Gefängnis. Der Islamist wollte in Washington Modellflugzeuge mit Sprengstoff bestücken und ins Pentagon sowie ins Capitol steuern - und schließlich auf die fliehenden Menschen schießen. Das FBI konnte die geplanten Anschläge vereiteln.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wollte sich am Dienstag zunächst nicht näher zu den Vorgängen äußern. "Über die Ergebnisse können wir im Moment noch nichts Näheres sagen." Der Generalbundesanwalt habe "seit einer Weile ein großes Ermittlungsverfahren geführt". In dessen Auftrag seien schließlich das Bundeskriminalamt (BKA) sowie die Polizei in Bayern und Baden-Württemberg tätig geworden.