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Angela Merkel in Trudering: Streicheleinheiten für die bayerische Seele

Angela Merkel in Trudering

Streicheleinheiten für die bayerische Seele

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    Am Mittwoch war die Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bierzelt in Trudering bei München zu Gast. Bei ihrem ersten Wahlkampfauftritt in Bayern lobte sie den Wirtschaftsraum.
    Am Mittwoch war die Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bierzelt in Trudering bei München zu Gast. Bei ihrem ersten Wahlkampfauftritt in Bayern lobte sie den Wirtschaftsraum. Foto: Peter Kneffel (dpa)

    Zuerst ist da ein Schuss. Ein Schuss der örtlichen Böllerschützen, der das Publikum kurz aufschrecken lässt. Dann zieht Angela Merkel ins Bierzelt ein. Hände schütteln hier, Hände schütteln dort. Die Bundeskanzlerin ist im Bierzelt in Trudering bei München zu Gast. Der Mittwochabend ist ihr erster Wahlkampfauftritt in Bayern.

    Merkel in München: Die Kanzlerin "streichelt die Seele der Bayern"

    Auf der Bühne angekommen, bekommt Merkel die obligatorische Maß Bier in die Hand gedrückt. Einen kleinen, höflichen Schluck kostet sie und los geht’s. Die CDU-Chefin hat sich an diesem Abend vorgenommen, die Seele der Bayern zu streicheln. Und so spart sie auch nicht mit Lob. Sie hebt die große Wirtschaftskraft des Landes  und die Verdienste im Bereich der Bildung hervor. In ihrer Rede will Merkel ihre Anhänger und das Publikum vor allem darin bestärken, den von ihr und der bayerischen Regierung eingeschlagenen Weg fortzusetzen – und lässt dabei auch Klischees nicht aus. Die zahlreichen Zuhörer antworten mit viel Applaus.

    Bayern spiele nur an der Spitze mit, weil die CSU hier regiere. Applaus. Und dass in Bayern viele Menschen ein tiefes Heimatgefühl besitzen, das sich auf traditionelle Werte stützt und in der Gegenwart wichtig sei: „Wer nicht weiß, wo er herkommt, der weiß auch nicht, wo er hin will“, sagt Merkel.

    Angela Merkel fordert Schluss mit Schuldenmachen

    Zitate von Angela Merkel

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gilt nicht als großes Redetalent, aber im Gespräch kann sie schlagfertig und witzig sein. Eine Auswahl:

    «Auch mir hat eine Satiresendung schon einmal richtig aus der Seele gesprochen, als es dort hieß: Gott hat die FDP vielleicht nur erschaffen, um uns zu prüfen.» (Am 4. Dezember 2012 auf dem CDU-Parteitag zu den Turbulenzen in der Koalition.)

    «Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu einer Nation werden mit Leuten, die alle vor dem Fernseher sitzen und genau wissen, wer wie Fußball spielen muss, aber selber nicht mehr in der Lage sind, einen Ball vor sich her zu schieben.» (Am 18. Mai 2012 auf dem Katholikentag in Mannheim zum demografischen Wandel)

    «Wenn ich da immer gleich eingeschnappt wäre, könnte ich keine drei Tage Bundeskanzlerin sein.» (Am 16. November 2012 zu Russlands Präsident Wladimir Putin nach ihrer Kritik an seiner Menschenrechtspolitik und unter Verweis auf die häufige Kritik an ihr in Deutschland.)

    «Ich kann versprechen, das Brandenburger Tor steht noch eine Weile.» (Am 7. Juni 2011 zu Obama in Washington als freundliche Replik auf die Debatte, dass er einen Bogen um Berlin mache seit Merkel ihm 2008 verwehrt hatte, als damaliger Präsidentschaftskandidat bei einem Berlin-Besuch am Brandenburger Tor zu sprechen.)

    Zur Bundesregierung und FDP: «Diese Bundesregierung ist die erfolgreichste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung.» (Am 21. November 2012 im Bundestag.)

    Zur Eurokrise: «Scheitert der Euro, scheitert Europa.» (Merkels Standardspruch zur Ausweitung der Euro-Rettungshilfen.)

    Zu Frankreich, Russland und den USA: «Es ist ja vielleicht unser bestgehütetes Geheimnis, dass die Chemie stimmt.» (22. Januar 2013 bei der 50-Jahr-Feier des Élysée-Vertrags über ihr als schwierig geltendes Verhältnis zu Frankreichs Staatspräsident François Hollande.)

    «Dass ich einmal im Rosengarten des Weißen Hauses stehen und von einem amerikanischen Präsidenten die Freiheitsmedaille empfangen würde, das lag jenseits aller meiner Vorstellungskraft.» (Am 8. Juni 2011 nach der Verleihung der höchsten zivilen Auszeichnung der USA durch Präsident Barack Obama in Washington.)

    Zur CDU: «Unser Anspruch heißt: Wir wollen Volkspartei bleiben, auch im 21. Jahrhundert. (...) Wir wollen die große Volkspartei der Mitte sein.» (Am Wahlabend des 27. September 2009.)

    «Wir machen es uns nicht zu jeder Sekunde einfach. Das ist so eine Art Test, wer noch wie viel Kraft hat.» (Am 19. Oktober 2012 mit Blick auf CSU-Chef Horst Seehofer)

    «In einer großen Koalition gibt es immer noch einen Partner, der möchte auch den Kanzler stellen. ... Herr Rösler ist gerne Vizekanzler - und das kann ich gut verstehen.» (Am 17. September 2012 auf die Frage, wie sich eine große Koalition von einer schwarz-gelben Koalition unterscheidet.)

    «Nein. Ich habe gewisse kamelartige Fähigkeiten. Ich habe eine gewisse Speicherfähigkeit. Aber dann muss ich mal wieder auftanken.» (Am 2. Mai 2013 im Gespräch mit der Frauenzeitschrift «Brigitte» auf die Frage, ob sie wirklich nur vier Stunden Schlaf brauche.)

    Die deutlichen – und teils humorvollen Aussagen – sorgen für Zustimmung im Publikum: „Ich komme zu Ihnen nach Bayern und Sie sitzen abends schon um 18 Uhr im Bierzelt bei Bier und Brot...“, Merkel macht eine Kunstpause, „...und sind trotzdem das Bundesland mit den besten Schulabschlüssen und der größten Wirtschaftskraft.“ Die Anhänger applaudieren. „Ich weiß ja nicht, wie Sie das alles machen. Stehen Sie früher auf?“ Merkel fügt hinzu, sie verstehe jetzt auch, warum so viele Chinesen auf das Oktoberfest wollen. „Sie wollen so werden wie Sie!“

    Die Kanzlerin kämpft sichtlich mit der Hitze im Zelt, spricht über die gesenkte Arbeitslosigkeit unter ihrer Regierung. Die SPD habe im Jahr 2005 einige Arbeitslose mehr hinterlassen. Merkel betont, dass Schluss sein müsse mit dem immer neuen Schuldenmachen und, dass Unternehmer nicht mehr besteuert werden dürften als bisher. Und sie bekennt sich klar zu Europa: „Nur so kann Deutschland stark sein.“

    CDU-Chefin Merkel schweigt zu Verwandtenaffäre und DDR-Vergangenheit

    Sogar im Gebüsch hinter dem Zelt sitzen Zuhörer und lauschen gespannt Merkels Rede. Während des Auftritts greift die Kanzlerin politische Gegner kaum an und spart auch unangenehme Themen für die Union aus. Etwa die bekannt gewordenen Details zu ihrer DDR-Vergangenheit. Auch zur Verwandten-Affäre im bayerischen Landtag verkneift sich die CDU-Chefin jedes Wort. Dafür gibt sie beim Thema Steuerflucht und -oasen ein klares Bekenntnis ab: „Wir stehen dafür, dagegen stärker zu kämpfen.“

    Die Zuhörer verfolgen den kurzweiligen Besuch der Kanzlerin mit Interesse. Die CSU-Anhänger sind am Ende zufrieden mit dem Auftritt – auch diejenigen, die vor dem überfüllten Zelt kaum etwas von der Rede mitbekamen. Martin Jankowski aus dem Münchner Osten beispielsweise. Er sei ein „Merkel-Anhänger aus Prinzip“. Da sei es bei ihrem Auftritt gar nicht so wichtig, was sie inhaltlich sagt: „Im Festzelt sowieso nicht.“

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