Neun Tage ist es her, da wurde an der Bahn-Haltestelle Gaubüttelbrunn bei Wittighausen (Lkr. Main-Tauber) ein Fahrkartenautomat gesprengt. Wenige Stunden später hat die Polizei nach einem anonymen Hinweis in der Nähe des Bahnhofs Bad Soden-Salmünster einen schwer verletzten Mann aus Zeitlofs im Landkreis Bad Kissingen gefunden. Der 47-Jährige erlag noch vor Ort seinen Kopfverletzungen. Nun wird vermutet, dass die tödlichen Wunden von der Sprengung des Automaten herrühren.
Mysteriöser Fall: Mann hatte schwere Verletzungen am Schädel
Der Fall ist mysteriös. Zuerst gingen die Ermittler davon aus, dass der Mann aus Zeitlofs erschlagen wurde. Nach der Obduktion des Toten stellten Rechtsmediziner schwere Schädelverletzungen fest, die auch todesursächlich waren. Staatsanwaltschaft und Polizei glaubten zunächst an ein Tötungsdelikt.
Mehrere hessische Zeitungen berichten nun, dass der 47-Jährige aus Zeitlofs aber auch in Verbindung mit der Sprengung eines Fahrkartenautomaten in Wittighausen stehen könnte. Die Kriminalpolizei Gelnhausen habe eine derartige Vermutung aufgestellt, heißt es. Weitere Einzelheiten dazu möchten aber weder die ermittelnde Kripo noch das Polizeipräsidium Südhessen in Frankfurt mitteilen. Denn die Staatsanwaltschaft Hanau habe mittlerweile das Heft des Handelns in der Hand, sagen beide und verweisen auf Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze.
Heinze ist Pressesprecher der Staatsanwaltschaft in Hanau und Mittwochnachmittag ziemlich im Stress. Viele Medien sind an dem mysteriösen Fall interessiert. „Der Hörer wird gar nicht kalt“, sagt er hektisch und wiegelt weitere Fragen zu dem Fall sofort ab. „Ich will weder etwas kommentieren, aber auch nichts dementieren“, sagt er. Das würde dafür sprechen, dass an der Vermutung der Kripo Gelnhausen doch etwas dran sein könnte.
Der Fahrkartenautomat soll durch die Sprengung "völlig zerfetzt" worden sein
Denn in der ersten gemeinsamen Pressemitteilung zum Vorfall schrieben die Bundespolizei, die Polizeidirektion Tauberbischofsheim und die Staatsanwaltschaft Mosbach, dass der Fahrkartenautomat durch die Sprengung "völlig zerfetzt" wurde.
Der Blutlache nach zu schließen, muss der Täter schwer verletzt gewesen sein, so die Polizei damals. Der Mann könnte sich also bei der Sprengung verwundet haben. Eventuell hat ihn sogar ein umherfliegendes Teil am Hinterkopf getroffen.
Nach Informationen dieser Zeitung gehen die Ermittler davon aus, dass der Mann aufgrund der schweren Verletzungen nicht mehr in der Lage war, alleine das Fluchtauto zu steuern und glauben, dass er zumindest einen Mittäter hatte, der ihn dann später an einem Parkplatz in der Nähe des Bahnhofs Bad Soden-Salmünster abgesetzt und kurz darauf die Polizei verständigt hat. In der Hoffnung, dass der Mann noch rechtzeitig gefunden wird.
Eine Version, die aufgrund der Tatumstände nicht abwegig ist, offiziell aber auch nicht bestätigt wird. Wahrscheinlich ist, dass die Polizei die Fahndung nach Mittätern nicht gefährden will und daher mit Einzelheiten zurückhaltend umgeht.