Heute trifft sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Bundestags-Fraktionschefs zu einem Gespräch über die künftige Energiepolitik im Kanzleramt. Am 6. Juni soll das Bundeskabinett die Energiewende beschließen. Nahezu zeitgleich warnt der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurt, davor, weitere Atomkraftwerke abzuschalten.Wie Kurth gegenüber der WAZ-Mediengruppe berichtet, sei kein Spielraum mehr vorhanden. In Deutschland gebe es keinen Puffer mehr bei der Stromerzeugung, wenn besonders hohe Nachfrage bestehe.
Die Deutsche Energie-Agentur Dena hat angesichts des geplanten Atomausstiegs erneut die Notwendigkeit neuer Gas- und Kohlekraftwerke betont. Photovoltaik und Windenergie stünden nicht immer gesichert zur Verfügung, sagte Dena-Chef Stephan Kohler am Montag im ARD-"Morgenmagazin". Um eine sichere Versorgung zu gewährleisten, seien deshalb nach Dena-Berechnungen neue Gas- oder Steinkohlekraftwerke mit einer Kapazität von 10.000 bis 12.000 Megawatt nötig.
Derzeit würden etwa 2.000 bis 2.500 Megawatt Strom - vor allem Braunkohlestrom aus Tschechien und Atomstrom aus Frankreich - aus dem Ausland importiert. Es sei jedoch wichtig, dass "sehr schnell" überprüft werde, wie die Lage im kommenden Winter aussehen könnte, wenn der Stromverbrauch höher ist als im Frühjahr und Sommer.
Der Präsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Stephan Weil, kündigte im Fall eines schnellen Atomausstiegs eine Investitionsoffensive an. "Wird die Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke zurückgenommen, dann investieren die Stadtwerke bis 2020 zusätzlich sechs Milliarden Euro", sagte Weil der "Frankfurter Rundschau" (Montagsausgabe). Der Marktanteil der Stadtwerke werde sich dann von zuletzt 9,2 Prozent verdoppeln. Die Leistung solle im Fall des Atomausstiegs innerhalb von zehn Jahren von 13.000 auf 22. 000 Megawatt steigen, sagte Weil. Dies entspräche der derzeitigen Kapazität der 17 Atomkraftwerke. dapd/dpa